Posted on Jul 9, 2013 | 6 Kommentare

Zuerst wollen wir uns entschuldigen, daß es etwas länger gedauert hat. Das Zuckerzeug ist einfach zu gut erforscht und diesmal greifen wir nicht nur die Rohfütterung auf, sondern auch die Dosenkost und das Trockenfutter.

Als wir uns das Thema rausgepickt haben wussten wir schon daß das was Aufwändigeres wird. Weil uns nämlich schon interessiert, wie das mit den Kohlenhydraten in der Rohfütterung ist – aber auch, weil das bei Billigfutter und vor allem bei Trockenfutter gang und gäbe ist Kohlenhydrate beizupanschen um Geld am Fleisch zu sparen. Und meist sind das auch gar keine richtigen ursprünglichen Kohlenhydrate mehr, sondern Abfälle der Industrie, genauso wie das Fleisch. Wir haben den Artikel wegen des Umfangs daher in 3 Teile aufgeteilt. Heute kommt Teil 1 mit den Grundlagen. Danach der Fertigfutterteil und zum Schluß der spannendste, der für die Rohfütterung.

Wir haben uns also gefragt welchen Sinn Kohlenhydrate in der Katzenernährung eigentlich haben. Ist es egal welche Kohlenhydrate man gibt? Bei der Rohfütterung gibt man doch alles roh, oder? Steckt in Kohlenhydraten nicht der böse Zucker? Und bei Diabetes hört man doch auch ganz oft, daß die Ernährung kohlenhydratarm sein soll. Und werden Kohlenhydrate wie Getreide nicht auch immer als Ursache für Krankheiten erwähnt?

Bei den Kohlenhydraten scheiden sich die Geister. Nirgendwo merkt man den ewigen Glaubenskrieg zwischen der Futtermittelindustrie, den Tierärzten und den Tierhaltern deutlicher als bei diesem Thema. Kohlenhydrate machen unsere Katzen krank sagen die einen, Kohlenhydrate sind doch tolle Energiespender sagen die anderen. Nirgendwo sonst gibt es mehr Studien als hier. Studien, die teilweise extra so geschrieben wurden, daß man die schönsten Werbeslogans davon schreiben kann mit all den positiven Effekten auf die Gesundheit. Etliche erforschen Diabetes, die neue Zivilisationskrankheit. Als Risiko wird Übergewicht angegeben. Wie es dazu kommt wird verschwiegen. Oder man liest irgendwo daß dies natürlich an einem Kalorienüberschuss liegt. Kalorienüberschuss? Mensch sind wir blöd! Natürlich! Aber Moment mal. Wir wissen doch wann wir genug haben und hören dann auf zu essen, oder? Oder?

Die wichtigste Frage ist erst einmal: Was sind Kohlenhydrate überhaupt?

Kohlenhydrate selbst haben wenig mit Kohle zu tun, das ist nur so passiert, weil der olle Carl Schmidt 1844 annahm daß es sich bei der biochemischen Zusammensetzung um Kohlenstoff(Carbon)-Hydrate handelte. Und wir müssen das jetzt ausbaden. Korrekt würden sie nämlich Saccharide heißen. Das hat aber nicht der Herr Saccharid herausgefunden sondern die heißen einfach so weil das irgendwie mit den Griechen und so zu tun hat.

Das findet sich dann auch im Namen wieder. Man unterscheidet bei den Sacchariden nämlich zwischen:

  • Monosaccharide („Einfachzucker“ wie Glucose=Traubenzucker, Fructose=Fruchtzucker)
  • Disaccharide („Zweifachzucker“ wie Saccharose=Haushaltszucker, Lactose=Milchzucker)
  • Polysaccharide („Vielfachzucker“ wie Stärke, Cellulose)
  • Oligosaccharide („Mehrfachzucker“ wie Raffinose (besonders in Hülsenfrüchten))

Eines haben alle gemeinsam. Sie werden im Körper mehr oder weniger gut zu Monosacchariden aufgespalten, der Hauptteil davon ist Glucose. Glucose ist dann der Energieträger, den Zweibeiner gut, Stöckchenholer schon weniger gut und die Fellgötter (wir) fast gar nicht verarbeiten können. Bei uns gibt es auch keine großen Schwankungen im Blutzuckerhaushalt, aber da kommen wir später nochmal zu.

Nicht die Möhre oder die Kartoffel selbst sind die ‚Kohlenhydrate‘, sondern Kohlenhydrate sind ein Teil davon. Dasselbe bezieht man auch auf alle anderen „Kohlenhydrat-Gruppen“. Getreide, Pflanzen, Pilze, Hülsenfrüchte, Obst, … Alle haben eines gemein. Sie SIND keine Kohlenhydrate, sondern enthalten neben o.g. Beistoffen welche. Manche mehr, manche weniger.

Wie das bei der Möhre so aussieht findet man in guten Datenbanken. So enthalten 100g Möhre (etwas gerundet um nicht zu viele Zahlen zu haben):
88g Wasser
1g Eiweiß
0,3g Fett
1g Rohasche
und der Rest sind dann 9,7g Kohlenhydrate bestehend aus:
Ballaststoffe 2,8g (Polysaccharid)
Sacharide/“Zucker“ 4,8g
Stärke 1,43g (Polysaccharid)

Die Sacharide kennen wir sogar genauer mit Namen, das sind dann:
3,6g Saccharose (Disaccharid)
0,6g Glucose (Monosaccharid)
0,6g Fructose (Monosaccharid)

Über Ballaststoffe und die Stärke sollten wir uns nochmal kurz unterhalten. Ballaststoffe können löslich sein – also komplexe Bindungen, bei denen wenigstens etwas noch abgespalten werden kann und nur ein Teil „nach draußen geht“ oder sie können unlöslich sein, dann verlassen sie den Körper quasi so wie sie hineingelangt sind. Ein gutes Beispiel dafür ist die Cellulose (auch ‚Rohfaser‘), ein Faserstoff, der aus Holz gewonnen wird. Cellulose nennt man aber auch den Hauptbestandteil, der alle Zellwände bei Pflanzen umgibt. Auch bei denen, die weicher sind als Holz. Cellulose ist auch für den Menschen größtenteils unverdaulich und wenn denen schon die Cellulase fehlt, das Enzym um die Cellulose aufspalten zu können, dann uns Primiezdonnen erst recht. Kühe können diese Cellulose recht gut im Pansen verdauen, Pferde im Dickdarm. Im Alltag begegnet Euch Zweibeinern die Cellulose als Papier, Baumwollstoff oder in Lebensmitteln als E460-E466. Mit Cellulose machen die Tierfutterhersteller hinterlistige Tricks.

Stärke ist dagegen wiederum als Aneinanderreihung von Glucose-Einheiten sehr gut verdaulich. Alle Pflanzen wie auch Algen speichern ihre Energie innerhalb der Pflanze ab und dies geschieht – traraa – in Form von Stärke. Stärke ist bei den Zweibeinern das wichtigste Kohlenhydrat. Auf dem Teller finden sich die Lebensmittel mit dem höchsten Stärkegehalt dann als Kartoffel oder Reis wieder. Und wenn man mal darüber nachdenkt, dann ist das weiße mehlige, was einem manchmal nach dem Kochen besonders von Kartoffeln im Topf begegnet, nicht anderes als reine Stärke. Habe ich Frauchen letztens sogar drauf hingewiesen, aber die hat mal wieder nix kapiert.

So, und was machen wir jetzt mit der Möhre? Ganz werden wir die ja wohl kaum essen. In den meisten Haushalten bekommen wir die geraspelt. Das ist so das Standardprogramm der Rohfütterer. Manchmal bekommen wir auch etwas anderes, aber dieses Pflanzenzeug hat eines gemein: Alle haben einen bestimmten Anteil an Ballaststoffen, an Sacchariden und an Stärke. Manche mehr, manche weniger. Zusammengefasst sind die BaSaSt dann die „Kohlenhydrate“. Für die Katzenernährung sollte man also unterscheiden, ob man von Lebensmitteln spricht, die reich an Ballaststoffen, Stärke, Zucker oder anderen Einzelteilen der Kohlenhydrate sind.

Wie gut sich z.B. die Möhre als Energieträger eigentlich eignet bewertet man bei den Zweibeinern mittlerweile mit dem glykämischen Index (Glyx) bzw. besser mit der glykämischen Last (neben GL noch kein doofer Name gefunden worden). Während man diese bei diversen Diäten wiederfindet und sich auch genug Wissen darüber aneignen kann wie z.B. der LOGI Methode, der vermutlich neuzeitlichsten Ernährungsform, müssen wir Euch an dieser Stelle sagen, daß das bei der Katzenernährung alles anders ist. Sorry, Folks, wir spielen mal wieder Primiezdonna. Eines ist aber gleich:

Der glykämische Index drückt aus, wie schnell der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr ansteigt. Je höher der Wert, desto stärker steigt er an. Bei Gemüse ist dieser z.B. bei Pastinaken am höchsten mit dem Wert 85. Traubenzucker als Referenzwert hat 100. Alles was unter dem Wert 50 ist gilt als „grün“. Der Glyx hat sich aber im Nachhinein als nicht praktikabel erwiesen, da sich der Wert immer auf 100g des Kohlenhydratgehalts des Lebensmittels beziehen und nicht auf 100g des Lebensmittels selbst. Sinnvoller ist daher die die glykämische Last. Diese bewertet auch die Kohlenhydratdichte eines Lebensmittels und ist somit aussagekräftig, egal welche Menge verzehrt wird. Hier ist der Wert identisch mit der Menge in Gramm an Glucose, wenn man diese pur aufnehmen würde. Wenn 100g Pastinaken dann (nur noch) eine GL von 10,3 haben, dann ist das dasselbe, als wenn man 10,3 g Traubenzucker zu sich nehmen würde. Das ist ein bisschen einfacher nachzuvollziehen.

Jetzt müssen wir nur noch wissen wie das Ganze von uns verdaut wird um irgendeine Wertigkeit zu geeigneten Kohlenhydraten und der entsprechenden Verarbeitung abgeben zu können.

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