Posted on Jun 12, 2022 | 3 Kommentare

Hey, Folks. Wollte mich mal in eigener Sache melden. Aktuell geht es etwas turbulenter zu in meinem Leben und ich wollte die Gelegenheit nutzen, euch einen eindringlichen Rat zu geben.

Frauchen ist Anfang Mai mit mir zu Frau Doktor, weil ihr so ein paar Mini- und ein Maxianzeichen aufgefallen ist, das sie gerne abgeklärt haben wollte und sie irgendwie ein ungutes Bauchgefühl hatte. Das letzte Blutbild war ja auch schon 4 Jahre her. Eigentlich hätte vor 2 Jahren schon wieder eins gemacht werden sollen, aber da durfte sie (wegen ihr wisst schon was) nicht mit in die Praxis und das wollte sie nicht. War ja eigentlich auch nichts spruchreifes zu sehen. Heute ärgert sie sich darüber.

Wenigstens klingelte dann doch die Frühwarnbimmel in ihrem Hirn. Ich sehe zwar voll toll aus, so von außen, aber könnte ja sein, dass da was ist, was im Frühstadium ist und schon behandelt werden sollte. Immerhin werde ich Ende Juli 11 Jahre alt und da sollte man nochmal ein Ohr extra am Kater haben. Also *zack* zum Gesundheitscheck.

Bei Frau Doktor kam dann aber was nicht mehr Frühstadium-mäßiges raus: ein vergrößertes Herz auf dem Röntgenbild, schon Flüssigkeit in der Lunge und eine beim Abtasten auffällige Schilddrüse. Eigentlich war alles an Dingen, die ich da so in der letzten Zeit gemacht habe, auch anders erklärbar, aber Frauchen fielen dann noch ein paar Sachen ein, die ihr dann logisch vorkamen. Ich mochte das gerne kalt, habe gerne im Dunkeln unter der Couch gelegen, das seltene und kurze Gekröchze war dann vielleicht doch kein quersitzendes Haar sondern ein Herzhusten, manchmal fehlte mir die Stimme, die Liste kann man beliebig fortführen. Dennoch war die Ruhe-Atemfrequenz vorher nicht hoch. Frauchen weiß jetzt aber, dass die idealerweise um 20 liegen sollte. Punkt. Nicht um 30 oder um 40, wie es teilweise angegeben wird. Und dass man eine Menge wissen, aber für die eigenen Katzen betriebsblind sein kann.

Für das Herz gab es sofort Medis – Entwässerung und einen Betablocker. Und da habe ich auch direkt drauf angesprochen. Habe ich vorher im Vorbeigehen regelmäßig am Wassernapf ein paar Schlabber Wasser mitgenommen, bin ich jetzt lässig vorbeigeschlendert. Und auch sonst meinte Frauchen, dass ich direkt besser drauf sei. Nichtsdestotrotz fanden viele von Frauchen benutzte Taschentücher ihren Weg in den Papierkorb, vor allem auch, weil sie sich Vorwürfe gemacht hat “Es” nicht früher gesehen zu haben. Gab aber ja auch nicht allzu viel zu sehen, erst mit der “Nachher weiß ich alles besser”-Brille.

Montag darauf dann das bange Warten auf das Blutbild, das Frauchens Taschentuchvorrat weiter strapazierte. Schilddrüsenwerte deutlich erhöht. Also hiess es ab sofort auch noch Schilddrüsenmedikamente zusätzlich. Alles darf nicht zusammen gegeben werden und so bekomme ich momentan 5 x am Tag Leckerchen mit was reingeschummelt. Ist aber ok, nehme ich ganz artig, ich weiß ja, dass das wichtig ist. Aber gehen wir nochmal einen Schritt zurück. Ihr sollt ja auch was lernen. In Kürze lautet das: Eine Katze mit 11 Jahren IST alt. Muss ich den Tatsachen ins Auge blicken. Ist so. Kann ich nicht von der Pfote weisen. Das “11 ist doch kein Alter”-Geplänkel könnt ihr getrost vergessen. Umso wichtiger, das an Ergebnissen mitzunehmen, was man kriegen kann. Insbesondere über das Blutbild.

Mein Blutbild

Ein Blutbild wie aus dem Bilderbuch der Krankheiten. Leider.

  1. Der Herzwert “proBNP” ist erhöht. Nicht dramatisch, aber so, dass es schon ernster ist. (dazu gleich mehr)
  2. Der Schilddrüsenwert ist deutlich erhöht.
  3. Die Leberwerte sind alle deutlich erhöht wegen 1. und 2.
  4. Die Co-Variablen Kreatinin und Folsäure sind entsprechend erniedrigt
  5. Die Nieren sehen auf dem Papier supergut aus (Hey, wenigstens etwas)
  6. Die restlichen Werte sind auch alle top

Kommen wir zum Blutbild selbst. Da bekommt ihr nämlich mitunter nicht das, was ihr meint zu bekommen. Wir haben viel darin investiert, um Blutbilder von Katzen lesen zu können und haben schon viele gesehen. Ob es um Ernährungssachen geht, wenn die Katze anhand des Blutbilds für nierenkrank erklärt wird, weil noch mit alten Geräten analysiert wurde und das neue Referenzintervall für Kreatinin von vor 5 Jahren nicht hinterlegt ist. Dass nur eine Hand voll Werte bestimmt wurde und das Ergebnis dann lautet: Die Katze ist gesund. Dass jemand meint, er kann Blutbilder lesen, weil er als Altenpfleger regelmässig Menschenblutbilder sieht. Die Gründe sind vielfältig, warum ein Blutbild einen in falscher Sicherheit wiegen kann. Ein anderer Punkt ist das liebe Geld. Ein gutes Blutbild kostet. Kann aber mitunter auch dafür sorgen, dass es am Ende nicht das Leben ist, das es kostet.

Wir Katzen sind so unfassbar krass drauf. Bis ihr so richtige Symptome merkt, ist die Kacke schon am Dampfen. Haben wir jetzt an mir gesehen. Ein Bild von einem Kater in echt, aber auf dem Papier schon ernsthaft erkrankt. Da muss man zwingend schon was tun!

Quo Vadis? Die Frage aller Fragen. Wohin geht die Reise?

Es ist also umso wichtiger, alle diagnostischen Möglichkeiten zu nutzen, um herauszufinden, was in der tollen Überraschungstüte Katze so los ist, auch wenn sie von außen voll toll aussieht. Ab 10 Jahren sollte man schon mal ein paar Euro in die Hand nehmen und Katz durchchecken lassen. Ordentlich.

Warum wir auf dem finanziellen Aspekt so herumreiten? Nun ja. State of the Art ist bei Blutbildern das sog. Geriatrische Profil. Damit solltet ihr die wichtigsten Werte bekommen. Wenn was aus dem Rahmen fällt, hat man für ein paar Tage auch noch die Möglichkeit, weitere Werte beim Labor nachbestimmen lassen. Am Ende sind das alle Werte – für ein Weißes und Rotes Blutbild, die Blutchemie und ein paar Organwerte wie Schilddrüse, Leber und ein erster Überblick über die Niere. Das Geriatrische Profil kostet rund 50 Euro inkl. MwSt (Stand Mai 2022)

Leider unterscheidet sich das Geriatrische Profil drastisch, je nach verwendetem Labor. Manchmal fehlen gravierende Dinge, die bei anderen Labors Standard sind. Es gibt auch kleine Laborkisten für die Praxis, um Werte schnell vor Ort zu bestimmen. Daher unbedingt nachfragen. Wird das Blut z. B. eingeschickt zu IDEXX, dann braucht man sich keine Sorgen machen. Da ist alles drin.

Jetzt sind Labors natürlich extrem wichtige Partner in der Gesundheitsüberwachung und auch extrem innovativ. Jedes Jahr kommen neue Werte dazu und legen den Grundstein für einen neuen Standard. Manche Werte sind bahnbrechend, manche sind zwar toll, aber lassen am Ende doch noch eine gewisse Schwankungsbreite für Interpretationen, sind also nicht ganz so eindeutig. Manchmal sind die Tests dazu auch sehr aufwändig. Deswegen gibt es dann nicht wie beim Geriatrischen Profil rund 44 Werte für 50 Tacken, sondern manchmal auch nur 3 oder einen. Wir lassen in jedem Fall und immer, egal ob Katz gesund ist oder nicht, auch ein Gastrointestinal-Ergänzungsprofil mitbestimmen mit fPL, Folsäure und B12. Das zeigt nochmal gesondert den Status der Bauchspeicheldrüse und der Magen-/Darmfunktion. Kostet auch jedes Mal 50 Tacken. Für 3 Werte. Ist uns aber immens wichtig, das zu wissen. Genauso wie den relativ neuen “proBNP”-Wert. Der zeigt an, wie schwer das Herz so ticken muss. Unseres tickte leider auffälliger. Kostet auch 50 Tacken, kann aber unter Umständen soooooo wichtig sein:

Der proBNP-Wert im Blutbild. Ein Wert, der einen guten Rückschluß auf die Herzfunktion zulässt.

Der wird bei uns jetzt ebenfalls bei jedem Blutbild bei jedem Katzenkumpel mitbestimmt. Es gibt ansonsten keinen wirklichen Herzmarker im “normalen” Blutbild. Diagnostisch wesentlich bedeutender ist natürlich ein Herzultraschall, denn die Diagnose erfolgt nicht allein nach einem Blatt Papier. Der Herzschall wurde am 01.06. bei mir gemacht – mit einem neuen Blutbild. Zusätzlich zu einer doofen Frisur im Brustbereich habe ich noch eine HCM, allerdings war keine Unregelmäßigkeit mehr zu hören und die Ergebnisse im Blutbild waren unter Medikation auch alle toll. Bei einer HCM ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese durch die Überfunktion der Schilddrüse ausgelöst wurde und sie kann sich auch wieder bessern. Schauen wir mal.

Als Fazit möchte ich euch mit auf eure Reise geben: Nutzt alle Möglichkeiten der modernen Diagnostik bei der Wundertüte Katze. Eine Katze ist mit 10 schon alt. Im Alter von 10 bis 15 ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie einen der Big Player unter den Krankheiten erwischt. Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion, “Altersherz”, Nierenerkrankungen, … Bis man Bilderbuchsymptome dafür sieht, ist die Krankheit aber meist schon weit fortgeschritten, da Katzen Meister im Verbergen sind (Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein). Je weiter eine Krankheit fortgeschritten ist, desto schlechter ist die Prognose. Im Anfangsstadium ist noch einiges zu machen und es können auch mit einer ernsten Erkrankung, welche gut eingestellt ist, noch ein paar Jährchen auf dem Lebensticker dazukommen. Lasst euch zeigen, worauf ihr zu Hause selbst achten könnt und checkt die wichtigsten Parameter regelmäßig selbst ab und protokolliert das idealerweise. Hört darauf, wenn ihr ein ungutes Bauchgefühl habt. Das Unterbewusstsein bekommt mehr mit, als ihr denkt. Fragt auch nach, was alles bestimmt wurde, wenn der Tierarzt euch sagt “Das Blutbild ist unauffällig.” Letztendlich heisst das nur: “Die Werte, die ich bestimmen lassen habe, sind unauffällig.” – Was aber, wenn was entscheidendes fehlt? Lasst euch das Blutbild aushändigen. Bei einigen Indikatoren sind auch Werte, die ganz oben oder ganz unten vom Normalbereich liegen, schon beachtenswert. Fruktosamin, der “Langzeitzucker” als Marker für Diabetes zum Beispiel.

In den nächsten Artikeln wollen wir euch ein wenig mehr über Schilddrüsen- und Herzerkrankungen bei Katzen erzählen. Gibt es noch etwas, das euch brennend interessiert?