Posted on Mai 29, 2014 | 40 Kommentare

Da haben wir ja seit gestern angefangen zu recherchieren, nachdem eine Meldung bei Facebook die Runde gemacht hat. Ein 18-jähriger Schüler hat bei Jugend forscht präsentiert, dass Schwarzkümmelöl bei Hunden gegen Zecken wirkt. Als These erstmal nur, denn da ist noch gar nichts wissenschaftlich bewiesen worden.

Tolle, coole Sache, haben wir auch sofort geteilt, aber haben uns natürlich gleich die Frage gestellt ob das auch für Katzen gilt. Kann Frauchen das der Frau mit dem krummen Finger und der neuen Hüfte unbesorgt empfehlen, sodass unser Stiefkumpel Joschi nicht mehr mit Zecken nach Hause kommt?

Die Antwort ist: Nein. Können wir nicht beruhigt empfehlen.

“Aber wieso denn nicht?” Möchte jetzt so mancher aufschreien. “Das wär doch so cool gewesen! Knoblauch und so darf ich schon nicht geben, da bleibt doch gar nicht mehr viel!”

Nein, da bleibt auch nicht viel, richtig.

Übrigens hat die Mama das heute mal in der BARF-Gruppe bei Facebook gefragt was die so meinen und da hat Christina gleich mit der ersten Antwort die richtige Schlussfolgerung rausgehauen. Tolle Gruppe!

Warum man Schwarzkümmelöl (botanisch “Nigella Sativa”) nicht an Katzen verfüttern sollte und auch nicht äußerlich anwenden sollte ist nämlich relativ einfach.

Ihnen fehlt in der Leber ein Enzym, das sog. Glucuronyltransferase (UGT1A6)1, welches für eine bestimmte Stoffwechselaufgabe unglaublich wichtig ist, nämlich die sog. Glucuronidierung. Diese sorgt dafür, dass u.a. auch viele Arzneimittel korrekt in der Leber abgebaut werden. Viele Medikamente, insbesondere Analgetika, wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol sind daher für Katzen sehr gefährlich, einige sogar in kleinen Mengen tödlich2. Im Zusammenhang mit dem in Hunde-Spot-Ons verwendeten aber für Katzen hochgiftigen Permethrin hört man es ebenfalls. Generell gelten alle Xenobiotika als Risiko. Damit sind Stoffe gemeint, die in der Natur so nicht vorkommen, neben Arzneimitteln zum Beispiel auch Umgebungsgifte wie der Flammschutz in Teppichen.

Jedoch ist der Vorgang der Glucuronidierung nicht nur für den Abbau von Arzneimitteln oder allgemein von Xenobiotika wichtig, sondern auch für den Abbau von Terpenen. Terpene sind sekundäre Pflanzenstoffe, die einen Großteil von Ätherischen Ölen ausmachen. Bei Küchenkräutern oder Gewürzen sorgen sie für den unverwechselbaren Geruch oder Geschmack. Dabei gibt es noch viele Untergruppen und nachdem wir jetzt schon so viele komische Wörter gelernt haben wollen wir euch nicht weiter verwirren. Daher ganz einfach: Katzen haben durch den Enzymmangel eine sog. Glucuronidierungsschwäche und können Terpene nicht bzw. extrem langsam abbauen. Um eine ‘Ladung’ Terpene abzubauen, benötigt die Katze ganze 48 Stunden3. Gibt man innerhalb dieser Zeit – oder regelmässig – die nächste ‘Ladung’, dann würden sich diese in der Leber toxisch akkumulieren. kicher ok, ok, wir hören auf mit den doofen Wörtern, die keiner versteht … Also sie würden sich in der Leber als Gifte anhäufen und je nach Dosierung in kürzester Zeit oder auf Dauer schädlich sein und zu Vergiftungen, Leberschäden, etc. führen. Das ist dann nicht mehr lustig.

So das Grundprinzip an das man denken sollte, wenn man die Wörter “Ätherische Öle” und “Katzen” hört. Und an:

Cats are not small dogs – cats are weird!

 

_the3cats_2014_05_29_6807
(q.e.d.)

Der Schwarzkümmel, der übrigens eine sagenhafte Wirkung bei verschiedenen Krankheiten bei Menschen hat, so sagenhaft, dass Nestlé seit 2010 versucht ein Patent darauf anzumelden, soll nur ca. 2% ätherische Öle enthalten. Wird das Öl kaltgepresst, dann soll auch der Gehalt an Terpenen geringer sein. Die Terpene  – obwohl nur so gering vorhanden – wirken übrigens auch bei Menschen schwach toxisch und können bei empfindlichen Menschen für kleine Rülpser oder Magenbeschwerden sorgen.

„Schwarzkümmel heilt jede Krankheit – außer den Tod“
 .                                                      (islamisches Sprichwort)

Wenngleich Schwarzkümmel nur einen geringeren Anteil an ätherischen Ölen beinhaltet gilt für uns ganz klar die “better safe than sorry” policy. Um einen Schutz vor Zecken zu gewährleisten müsste es regelmässig angewandt werden. Es ist sicher nicht so schlimm wie Teebaumöl, aber nichtsdestotrotz haben toxische Stoffe, die sich nur anhäufen und nur minimal abgebaut werden können in der Katze nichts zu suchen. Die Anhäufung kann unbemerkt über einen längeren Zeitraum geschehen.

Hunde und Pferde haben wie Menschen diesen Enzymmangel übrigens nicht. Was im Umkehrschluß aber nicht bedeutet, dass diese automatisch jedes ätherische Öl vertragen können. Und da die Frage schon aufgekommen ist: Nicht jedes pflanzliche Öl enthält automatisch Terpene. Kokosöl enthält keine.

Für Joschi werden wir weiterhin die supercoole Zeckenschlinge verwenden, die Zecken in 2 Sekunden entfernt. Und das ohne Haare rauszureißen.

(Update 16.05.2015: Wir haben winzige Anpassungen vorgenommen, die aber inhaltlich nichts an der Aussage verändern, sondern sie eher noch kräftigen und die Quellenangben ergänzt.)

Anmerkung in eigener Sache: Wem das nicht seriös genug ist und nicht versteht, dass hier wissenschaftliche Fakten absichtlich so spielerisch und leicht aufbereitet wurden, damit jeder Mensch diese nachvollziehen kann, der kann sich gerne selber hinsetzen und recherchieren. Die Bücher gibt es in der Bücherei über die Fernleihe für 2,50 Euro das Stück. Die Studien sind zu 80% kostenlos und frei verfügbar. Für die Recherche dieses Artikels könnt ihr so ca. 20 Stunden einplanen. Über eine Zusammenfassung eurer Erkenntnisse würden wir uns freuen.

  1. Buch: Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis – Reichling u.a. (2008) []
  2. Buch: Krankheiten der Katze – Lutz, Kohn, Forterre (2014) []
  3. Buch: Essential Oils in Animal Care – Reagan, Bloomer, Thomason (2014) []