In Deutschland ist die Hühnersuppe oder Hühnerbrühe genauso bekannt wie auf der ganzen Welt, um hilfreich bei allen möglichen Erkrankungen zu sein. Und genauso vielfältig wie die Länder in denen sie bekannt ist, sind die Zubereitungsmethoden.

Bei uns in Deutschland wird die meist ganz langweilig mit etwas Gemüse und einem Suppenhuhn gemacht. Fährt man in Richtung Asien kommen irgendwann auch Ingwer und Koriander hinzu und eine gewisse Schärfe. Schippert man in die USA wird die Hühnerbrühe wieder anders zubereitet – und für Katzen haben die Amis sie auch schon meisterlich entwickelt, weswegen die sogar in einigen Tierkliniken oder von Tierärzten empfohlen wird, die ansonsten ganz klassisch schulmedizinisch tätig sind.

Diese „etwas andere“ Hühnerbrühe finden wir für einen Karnivoren viel logischer als die deutsche Variante – oder die Moro’sche Karottensuppe, sodass wir sie euch hier einmal vorstellen wollen. Und dazu haben wir die natürlich „live“ ausprobiert.

Aber zunächst beschäftigen wir uns mal mit den Inhaltsstoffen und warum diese Variante besser geeignet ist als andere.

Was kommt rein?

  • 1,5 Liter Wasser

  • 1 Bio-Huhn bzw. die fleischigen Knochenreste – ca. 600g

  • 1 Bio-Karotte

  • 1 Teelöffel Bio-Apfelessig

Nein, nein, das Wasser muss kein Bio-Wasser sein *beruhig*

Warum Bio?

Nun, die Zutaten werden jetzt einem Kochmarathon unterworfen, der an die Grundsubstanz geht. Dabei werden die Mineralien aus dem Knochen ausgelöst und es bilden sich bestimmte Stoffe. Diese Grundsubstanz sollte daher so rein wie möglich sein, damit keine Umweltgifte wie Pestizide oder Schwermetalle mit ausgelöst werden.

So kann sich u.a. Blei besonders in den Knochen anreichern und dies würde dann in die Brühe wieder abgegeben. In Versuchen von Monro et al. waren das bis zu 10 mal höhere Konzentrationen in der Brühe als im Leitungswasser.1

Außerdem haben wir bei einem Suppenhuhn einen hohen Fettgehalt. Fette bestehen aus fettlöslichen Vitaminen und Fettsäuren. Im Fettartikel habt ihr gelernt, dass zuviel Omega-6 unvorteilhaft ist. Bei Bio-Hühnern ist der Omega-3-Gehalt deutlich höher.

Um das Risiko eines schlechten Omega 6:Omega 3 Verhältnisses zu minimieren, nimmt man daher Bio-Suppenhühner.

Warum Apfelessig?

Der „Bone Broth“ Apfelessig hinzuzufügen dürfte wohl der größte Unterschied zu den hier in Deutschland kursierenden Anleitungen sein.

Und genauso groß wie der Unterschied ist, genauso wichtig ist der Apfelessig und für das Gelingen dieser Art von Hühnerbrühe essenziell. Übrigens nicht nur bei der „Katzenversion“.

Kochen hat ja viel mit Physik und Chemie zu tun. Und diesmal handelt es sich um einen chemischen Prozess. Damit nämlich die ganzen Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor, Magnesium aus den Knochen in das Wasser ‚übergehen‘ können benötigt es einen gewissen Prozentsatz an Säure, der durch den Apfelessig erreicht wird. Man könnte jeden Essig nehmen, jedoch soll Apfelessig den Geschmack nicht beeinflussen, was wiederum für uns Karnivoren nicht unwichtig ist.

Wichtig: Der Apfelessig darf nicht weggelassen werden.

Warum die Karotte?

Das Möhrchen tun wir da rein, um damit die Hasen anzulocken *erklär*

Nee, natürlich nicht. Die Möhrchen sind Bestandteil einer anderen Version einer Brühe für Katzen, die im Netz kursiert, nämlich der „Moro’schen Karottensuppe“. Dabei bilden sich nach langer Kochzeit die hilfreichen Oligogalakturonsäuren, welche die Rezeptoren von krankmachenden Bakterien blockieren und so das Anheften im Darm verhindern.

Zubereitung:

Wir haben am Abend zuvor das Bio-Suppenhuhn um ca. 200g Fleisch erleichtert und damit eine Rohmahlzeit zubereitet:

Zuerst wurde das Huhn gewaschen:

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Dann wurde das fachfraulich zerteilt. Eine gute Geflügelschere reicht dafür völlig aus, auch um das Fleisch abzuschneiden:

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Und die sehr fleischigen Knochen wurden dann erstmal in eine Tüte für den morgigen Tag in Warteposition verfrachtet:

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Das Fleisch wurde dann gepimpt und aufgeteilt und das haben wir uns munden lassen.

Am nächsten Tag ging es dann weiter:

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Linus möchte seine Hilfe zur Verfügung stellen. Ein Stückchen für den Topf, ein Stückchen für Linus…

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Aber es ging gnadenlos weiter.

1,5 Liter Wasser werden aufgekocht. Ein Teelöffel Apfelessig kommt hinzu. Die Knochen werden mit der Geflügelschere nochmal durchgeknackt, damit das Knochenmark freiliegt.

So zum Beispiel:

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Das geht auch ganz leicht, da knackt nichts und da knirscht nichts, ihr werdet überrascht sein, wie weich so ein Knochen in Wirklichkeit ist und wie leicht er einfach durchzu’schneiden’ ist.

Das Möhrchen wird auch einfach mit der Schere geschnibbelt:

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Und anschliessend geht alles auf große Kapernfahrt:

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Nachdem das Wasser einmal aufgekocht ist stellt man die Temperatur zurück, so dass aus der heftigen Brise ein leise simmerndes Lüftchen geworden ist.

Nach ca. 3 Stunden fängt das Fleisch an vom Knochen zu fallen.

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Wenn man gerade eine akut kranke Katze hat, dann sollte man schon mal eine Portion Fleisch mit ein paar Löffel Brühe herausnehmen und für kleine Mahlzeiten portionieren.

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Die Brühe siedet jetzt im Idealfall noch weitere 21 Stunden vor sich hin, bis man die Knochen zwischen den Fingern zerbröseln kann.

Wir wollten den Herd nicht über Nacht anlassen und haben unser Süppchen daher nur 14 Stunden gekocht:

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Die Brühe wird durch ein Sieb gegeben und aus 1,5 Liter Wasser sind 600ml flüssiges Gold geworden.

Das lassen wir abkühlen und frieren es in große Eiswürfelformen ein. Wenn man hat und mag gibt man jetzt noch 1-2 Vitamin E Tropfen hinein um das Fett vor dem Ranzigwerden zu schützen.

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Nachdem die “Bone Broth” fest geworden ist, gibt man sie in einen Beutel und hat nun einzeln entnehmbare “Notfallwürfel”. Oder ganz einfach weil Katz das so lecker findet und man das Futter damit so gut pimpen kann.

Die Reste sehen im Topf dann so aus als hätte man bei einer Voodoozeremonie Hühnerbeine in die Luft geworfen und die Zukunft daraus gelesen:

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Wenn man genau hinschaut, dann sieht man dass die sagen “Am Samstag wird es schneien”. Und? Was sollen wir sagen? Die haben recht gehabt!

Das Orakel von Delphi hingegen liess sich seine Portion ans Bett reichen:

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Und zum Abendbrot hatten wir alle ein paar Löffel über unser Rohfutter bekommen, zusammen mit etwas Möhrchen. Lecker Kaninchen gab es.

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Jinpa stach dabei besonders hervor. Sein Tellerchen war nach wenigen Minuten leergeputzt:

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Und putzen muss sich jemand anders auch:

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Das leckere Ergebnis hat jetzt die folgenden Inhaltsstoffe:

 

Gluthation:

Ein Tripeptid aus den Aminosäuren Glutamin, Cystein und Glycin. Es wirkt antioxidativ und einem Mangel an Gluthation wird die Entstehung einer Hepatischen Lipidose nachgesagt, die vor allem durch Hungern entstehen kann. Wenn die Katze also nichts frisst, dann kann die Brühe die Gefahr einer Hepatischen Lipidose vermindern. Ebenso ist Gluthation hilfreich bei entzündlichen Zuständen der Leber. Glycin wiederum hat eine leberreinigende Wirkung, ist wichtig für die Hämoglobinsynthese und Bildung der Gallensalze und kommt besonders in Gelatine/Kollagen in hohem Maß vor.

Kollagen:

Kleidet den Darm mit einer leichten Schutzschicht aus, sodass schädliche Bakterien weniger Chancen haben sich festzusetzen und ins Blut überzugehen.

Knochenmark:

Versorgt die Zellen mit Sauerstoff, was das Immunsystem stärkt. Enthält die sogenannten Glykosaminoglykane (GAG), in diesem Fall die besonders wichtige Hyaluronsäure und das Chondroitinsulfat. GAGs helfen bei vielen entzündlichen Zuständen, so z.B. auch bei Blasenentzündungen, besonders bei chronischen Zuständen, bei denen die schützende GAG-Schicht der Blase gestört ist.

Calcium, Phosphor, Magnesium:

aus den Knochen ausgelöst, versorgt die Katze mit wichtigen Mineralstoffen.

Die Oligogalakturonsäure aus den Möhrchen haben wir oben kurz beschrieben.

Dazu ist die Brühe leicht verdaulich und energiereich, also nicht nur bei Magen-/Darmbeschwerden geeignet.

Wohl bekomms!

  1. The risk of lead contamination in bone broth diets. []