Posted on Jul 16, 2013 | Keine Kommentare

Die Rolle der Kohlenhydrate im Fertigfutter – Die Trickkisten der Billigfutteranbieter

„Da wird schon seit Jahrzehnten versucht die Katze an das Futter anzupassen,
dabei sollte das doch eigentlich umgekehrt sein.“
(Jasper, frei nach Hans-Ulrich Grimm)

Wer jetzt denkt, daß alle Ballaststoffe gut sind, der kennt die Hintergedanken der Futtermittelindustrie nicht. Die geben nämlich extra so viel unlösliche Ballaststoffe dazu, weil sie genau wissen, daß diese länger für die Verdauung brauchen als die Katze gemacht ist und setzen die unlöslichen Ballaststoffe gezielt dafür ein, den Verdauungsvorgang zu verlangsamen und so für ein längeres Sättigungsgefühl zu sorgen. Dies sorgt aber wiederum für eine andere Problematik, da die anderen gärenden Stoffe länger als von Mutter Natur vorgesehen im Darmtrakt durchdümpeln.

Eine andere Geschichte ist die Beimengung von Amylase schon von Haus aus. Amylase – ihr erinnert Euch? Die mit der kleinen Kettensäge, die so Probleme hat die Kohlenhydrate aufzuspalten? Nun, macht ja nichts. Was nicht passt wird passend gemacht. Also wird dem Futter einfach noch eine Prise Amylase zugesetzt. Das Futter bringt die großen Kettensägen also schon von Haus aus mit. Aminosäuren und Enzyme kann man ja wie Vitamine herstellen und dann dem Körper wieder gezielt zufüttern. Da kann man trickige Sachen mit machen.

Wie das Spezialfutter, was man nur „auf Rezept“ bekommt, also auf Anordnung des Tierarztes – zum Beispiel gegen Struvitsteine. Kohlenhydrate und Wasserentzug verändern den PH Wert des Harns, so daß dieser Steine bildet. Ihr kennt das als Struvitsteine. Was machen also die pfiffigen Trockenfutter-Hersteller? Sie fügen dem Trockenfutter DL-Methionin zu. Ein Zusatz, der den PH-Wert wieder in die andere Richtung schiebt. Methionin ist eine Aminosäure, die übrigens in rohem Putenfleisch und Hühnerfleisch ausreichend in natürlicher Form vorhanden ist. Die Liste lässt sich beliebig fortführen. Und etwas anderes macht auch anderes Spezialfutter vom Tierarzt auch nicht aus. Es ist irgendetwas in höherer Konzentration künstlich beigemischt, was sonst natürlich in der frischen Nahrung vorkommt. Den Gedanken, daß so manche Grundnahrungsmittel „verschreibungspflichtig“ ist sollte man sich jetzt nochmal auf der Zunge zergehen lassen…

Und ebenso kann man mit der Trockenmasse und dem Gehalt an Kohlenhydraten tricksen, um sein Produkt deutlich besser dastehen zu lassen. Dazu findet man bei Katzendiabetes ebenfalls ein lesenswertes Beispiel.

Zucker im Katzenfutter

Entgegen der landläufigen Meinung verursacht Zucker im Katzenfutter kein Karies. Katzen haben dagegen mit Paradontitis und Plaque Probleme, dies aber bereits seit der Urzeit. Natürlich nicht in dem Ausmaß wie mit Billigfutter gefütterte Katzen, aber selbst roh ernährte Katzen, die Knochen knacken können moderaten Zahnstein bekommen. (Da gibt es nochmal einen extra Artikel drüber)

Die Aussage „Zucker im Futter ist schlecht“ muss differenziert werden. Wenn das Futter nur ein bisschen Zucker enthalten würde, dann wäre das noch nicht mal so schlimm. Diese wird in Glucose umgewandelt und ab in die Zellen. Aber in Verbindung mit dem vielen getreidehaltigen Futter dann eine Katastrophe. Denn „Zucker“ ist umgangssprachlich oft auch nur ein anderes Wort für Kohlenhydrate.

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Krankheiten durch Kohlenhydrate

Die Ursachen für Krankheiten sind vielfältig. Es gibt neben der Ernährung auch noch andere Faktoren wie genetische Prädisposition (Veranlagung), auch rassespezifisch wie z.B. Diabetes bei der Burma-Katze (Burmese) oder Impfungen. Hier betrachten wir aber nur die Krankheiten, die durch Ernährung verursacht werden und bei denen Kohlenhydrate eine Rolle spielen.

Diabetes mellitus

„Diabetes ist kein Fluch der Natur, dem Katzen einfach
erliegen, es ist von Menschen gemacht!“

(Jasper frei nach Dr. vet. Elizabeth Hodgkins)


Keine der Krankheiten steht mehr im Zusammenhang mit Kohlenhydraten als Diabetes mellitus. Wie der Stoffwechsel funktioniert hat Herr Saccharid in seinem Reisebericht beschrieben. Das Hormon Insulin spielt dabei eine wichtige Rolle um den Blutzuckerspiegel wieder anzugleichen.

Unterschieden wird bei Diabetes zwischen dem Typ 1, wo die von Herrn Saccharid erwähnten Langerhans Inseln geschädigt wurden und kein Insulin mehr produzieren können, sowie dem Typ 2, der (nur) mit einer Resistenz gegen Insulin einhergeht. Typ 1 ist in Katzen selten, Typ 2 dagegen das Standardprogramm.

Der Zusammenhang zwischen den Kohlenhydraten und Diabetes kann kurz umschrieben werden mit: Erst wird die Katze fett – und dann bekommt sie Diabetes.

Ernährungstechnisch unterstützen kann man die Katze gerade hier ganz besonders. Eine kohlenhydratarme, artgerechte Ernährung sorgt einerseits dafür daß Übergewicht abgebaut wird, als auch daß weniger Insulin produziert werden muss. Dies schließt schon mal  stärkehaltige Lebensmittel aus. Am besten geeignet sind Gräser und grünblättrige Gemüse wie Erbsen, Zucchini, Brokkoli, Blumenkohl und Staudensellerie (erstmal nur lesen, nicht wundern, zur Verarbeitung kommen wir in Teil 3). Möhrchen für das Öhrchen sind dagegen jedoch tabu. Mit Flohsamenschalen wurden gute Erfahrungen gemacht, da sie einen positiven Einfluss auf den Blutzucker haben sollen und den Bedarf an Insulin reduzieren. [3]

Eine ganz Große in der Behandlung von Diabetes bei Katzen ist Dr. Elizabeth Hodgkins. So groß, daß sie sich sogar die Behandlung hat patentieren lassen. Was ursprünglich als Weckruf für die Futtermittelindustrie und andere Tierärzte gedacht war, ohne davon auszugehen, daß das Patent tatsächlich angenommen wird, wurde am Ende die bestmögliche Therapie für Diabeteskatzen. Der Grundbaustein dabei ist eine kohlenhydratarme Ernährung, was schon jedes Trockenfutter und die meisten Dosenfutter ausschließt. Auf ihrer Seite „Your Diabetic Cat“ (engl.) gibt sie viele Tipps und Hilfestellungen. Dort findet sich auch ein umfangreiches Forum. Ihr Buch „Your Cat“ ist nicht nur wegen der Diabetesbehandlung lesenswert. Dr. Hodgkins ist Befürworterin der Rohfütterung. Am Ende der Behandlung wird bei 80% aller Patienten aus „Moppel Dick“ eine Astralkörperkatze, die kein Insulin mehr benötigt.[4] Astralkörperkatzen sind sowas wie ich. *kräftig nick*

Hilfe, mein Bauch schwimmt immer oben!

„Wenn man das Gefühl hat die Katze sei dick,
dann ist sie es auch.“

(Jasper)

Wie schlimm es genau ist kann man anhand des von Waltham entworfenen „Shape Guides“ ganz gut erfassen. Man folgt einfach dem Diagramm und hat dann einen guten Eindruck von dem Ausmaß des Desasters. 35-40% aller Katzen gelten übrigens als „über Normalgewicht“.

Nun wird eine Katze dick, wenn die Kalorienzufuhr in der Nahrung die benötigte Energie überschreitet. (Das sagen auch die Futtermittelhersteller) Ein Industriefutter enthält viele Kohlenhydrate, die die Katze nicht benötigt und zu einem großen Teil wieder als Fett einlagert. (Das sagen die Futtermittelhersteller nicht) Katzen können aus Kohlenhydraten nur zu einem Bruchteil Energie gewinnen wie es Hunde oder Menschen können. Diese bezeichnet man auch als sog “leere Kalorien” – sie werden aufgenommen, können aber nicht umgesetzt werden und werden als Fett eingelagert. Was die Katze dagegen benötigt ist ein moderater Anteil an Fett (als am leichtesten zu verwertender Energieträger) und Proteine (Fleisch).

Da in Industriefutter zu viele leere Kalorien enthalten sind ist auch die Menge des Futters größer, die die Katze aufnehmen muss um ihren Grundumsatz decken zu können. Fett hat dabei pro ein Gramm 9kcal und Fleisch 4kcal. Wenn man jetzt möchte daß die Katze abnimmt, dann sieht man zu, daß man auf Rohfütterung umstellt und ihr einen hohen Anteil an Fleisch zukommen lässt, die Mindestmenge von 6% Fett, und nur 2-5% an Ballaststoffen. Dies ist dann mengenmäßig die größtmögliche Futterportion, die auch komplett von der Katze verwertet werden kann. (Das mit der Rohfütterung haben wir Euch hierbei fein untergejubelt, oder?)

Eine Katze sollte nur extrem langsam abnehmen, da die Leberverfettung (Hepatic Lipidosis) wie ein Damoklesschwert über der Abnahmegeschichte hängt. Bekommt die Katze nur 2 mal am Tag Futter dann sind die Pausen dazwischen sehr groß. Man sollte also wenn man schon zur natürlichen Ernährung zurückkehrt auch die natürliche Methode „ad libitum“ übernehmen, also eigentlich „nach Belieben“, ist aber hier als „mehrere kleine Portionen über den Tag verteilt“ gemeint. So entstehen keine langen Hungerphasen. Eine übergewichtige Katze darf nie länger als 24 Stunden hungern.

Eine Faustregel für das Abnehmen sind max. 1-2% des Körpergewichts pro Woche. Diese Linie wird aber niemals linear verlaufen, Sprünge zwischen 0,1 und 3% sind üblich. Da kann der Weg von 9 Kilo auf 5,5 Kilo schon mal ein Jahr dauern. Auf dem Weg dahin kann die Katze mit zahlreichen Hilfsmitteln unterstützt werden. Neben wirklich sinnvollen Dingen wie z.B. L-Carnitin, welches das Risiko der Leberverfettung mindert, gibt es sogar die Möglichkeit einer Fettabsaugung. [6]

Die während der Abnahmephase zur Verfügung gestellte Futterportion wird anhand des Idealgewichts gerechnet. Die Berechnung der Futterportion bei dosengefütterten Katzen ist eine andere als bei rohgefütterten Katzen.

Zellen ernähren sich von Glucose, auch Krebszellen

Dem Titel könnte man jetzt zig Namen geben, so gut ist das Thema schon erforscht. „Krebszellen lieben Zucker“ zum Beispiel. Daß die Zellen im Körper sich von Glucose ernähren hattet ihr ja schon gelernt. So ist es nicht verwunderlich, daß Glucose der Hauptenergielieferant für Krebszellen ist. Fett liefert der Krebszelle keine Energie und das ist auch bei Katzen so. Ihr könnt also mit der richtigen Ernährung auch hierbei viel bewirken.

 

Im nächsten Artikel „Teil 3“ gucken wir uns dann noch die Sache mit den PH Werten und die Hypoglykämie an sowie das ganze Gemüsezeugs in der Rohfütterung.

 

Quellen:
[1] (Buch) Klinische Diätetik für Kleintiere – Hand, Thatcher, Remillard, Roudebush
[2] (Buch) Raising cats Naturally – Michelle T. Bernard
[3] (Buch) Whole Health for Happy Cats – Sandy Arora
[4] (Buch) Your Cat – Elizabeth Hodgkins
[5] (Artikel) Diagnosis of occult hyperthyroidism in cats – Graves, Peterson (Problems in Veterinary Medicine – Endocrinology. 1990)
[6] (Buch) Encyclopedia of Feline Clinical Nutrition – Pascale Pibot, Vincent Biourge, Denise Elliott

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