Posted on Jun 7, 2020 | 1 Kommentar

Seit einiger Zeit kann man ja nicht mehr durchs Miezenet surfen, ohne dass an jeder Ecke eine Dealermiez steht, die einem CBD-Öl schmackhaft machen möchte. Klar, bei den krassen Preisen, die das Zeug hat, lohnt sich der Verkauf natürlich. Und selbstverständlich ist das alles auch völlig uneigennützig, denn CBD-Öl kann alles, auch Coronakrebsaids heilen. Mindestens.

Und weil uns das ziemlich auf den Keks geht, wenn Lieschen Müller unreflektiert in einer Epilepsiegruppe davon schwärmt, wie toll das Naturmittel doch ist, im Gegensatz zu der bösen Chemie (Phenobarbital Anm. d. Red.) und es Lieschens Bengal-Coon-Fold-Mix ‚Adonis von den Blingblingglitzerpuschels‘ mit einer völlig überdosierten Anzahl an Tropfen pro Tag sooo gut geht, dann muss es natürlich am CBD-Öl liegen. Der Hersteller hat ihr auch ganz toll mit der Dosierung geholfen, nicht der Tierarzt. Weil der ja die böse Chemie verordnet hat, die ja offensichtlich nicht hilft. Immerhin nimmt Adonis von den Blingblingglitzerpuschels das böse chemische Produkt jetzt schon zwei Wochen und er hat immer noch mal Anfälle zwischendurch. Erklärungen, dass Phenobarbital bei Katzen ein seit dem Jahre 1912 wunderbar erprobtes Mittel ist und dies ca. 3 Wochen benötigt, um einen funktionierenden Wirkspiegel aufzubauen oder dass Adonis aufgrund der hohen Dosis an CBD-Öl wahrscheinlich  halb sediert in der Ecke liegt und deswegen keine Anfälle mehr hat, kann man sich dann sparen. Nutzt nix. Natur besiegt Chemie. Hersteller besiegt Tierarzt.

Als wir für diesen Artikel recherchiert haben, haben wir uns natürlich einen Überblick verschafft, was so in der deutschen Bloggerszene über das CBD-Öl bei Katzen berichtet wird und haben festgestellt, dass 75 % Herstellerseiten existieren, die natürlich nur das Gute zu berichten haben. 20 % waren Artikel auf Katzenseiten oder bei THPs, die größtenteils auch eine Produktempfehlungen enthielten. Wie wenige davon mit „Werbung“ gekennzeichnet sind, ist wirklich verblüffend. Nur 5 % fanden sich auf veterinärmedizinischen Seiten und waren eher oberflächlich, dabei aber auch kritisch. Wären wir jetzt völlig unbedarfte Katzen einer Katzenhalterin mit Blingbling-Katzen und würden nach einem Heilmittel für egal was suchen und auf CBD-Öl stoßen, würde unsere Gefrierschranköffnerin das bestimmt auch ganz toll finden. Man findet ja auch quasi nichts Negatives im Netz.

Das wollen wir ändern.

Nicht unbedingt, dass wir das unbedingt schlecht machen möchten, aber zumindest mal die Augenbrauen heben, den Ist-Stand teilen und einen „Hallo? Geht’s noch?“ Blick in die richtige Richtung werfen.

Wir möchten euch neutrale Informationen an die Hand geben, zeigen, was CBD wirklich kann, was bei Preisen zwischen 25 und 200 Euro pro 10 ml jetzt vielleicht nicht ganz so unwichtig ist und euch insbesondere für die Anwendung bei Katzen sensibilisieren, denn Katzen sind keine kleinen Hunde oder kleinen Menschen und von den sehr speziellen Stoffwechselvorgängen in dem pelzigen Wunderwerk der Natur haben leider nur die wenigsten wirklich Ahnung von. Wir wollen jetzt auch nicht so vermessen sein und behaupten, wir wüssten das alles, aber wir wissen wo es steht und sind in der Lage das zusammenzutragen.

Was ist CBD-Öl?

Erstmal ein Warnhinweis an dieser Stelle. Wer jetzt meint, dass er bei den krassen Preisen fürs CBD-Öl doch viel cleverer ist und der Katze die Cannabis-Pflanze direkt verabreichen kann, der sei gewarnt.

Cannabis ist für Katzen toxisch, vergiftungsrelevant ist dabei der psychoaktive Wirkstoff THC (Δ9-Tetrahydrocannabinol), ein Cannabinoid.

Die medizinische Wirkung von Cannabis auf viele Krankheitszustände ist seit 1839 bekannt, seit der irische Arzt William B. O‘Shaughnessy dazu beitrug, Cannabis sativa als medizinische Heilpflanze anzuerkennen. Bisher ging man davon aus, dass THC die relevante, medizinisch wirksame Substanz sei. Seit 2003 erforscht man auch die anderen Bestandteile der Cannabispflanze und mittlerweile sind neben THC über 100 weitere Cannabinoide bekannt, die eine medizinische Wirkung haben.

Aufgrund der Toxizität fiel Cannabis in der ursprünglichen Form als Mittel bei Katzen raus. Mit dem THC-freien Cannabidiol-Öl-Extrakt (CBD) steht nun ein interessantes neues Produkt in den Regalen, welches auch für Katzen geeignet sein könnte. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da die Herstellung und Verbreitung von CBD Öl ein lukrativer Markt ist und nicht alle von den hunderten Herstellern dieselbe Sorgfalt walten lassen. Es tauchen immer wieder THC-freie Öle auf, die über dem erlaubten Grenzwert an THC liegen. Und Hersteller lassen sich auch zu wahren Wundertiraden hinreißen, um ihr Produkt an den Mann, die Frau oder die Katz zu bekommen.

Aber kommen wir jetzt erst mal zu dem Öl an sich.

Während Hanföl aus den Samen der Hanfpflanze gepresst wird und ein gutes Speiseöl mit hohem Gehalt an Omega-3 Fettsäuren für Menschen ist, wird das CBD-Öl aus den Blüten und dem Kraut gewonnen. Viele CBD-Öle sind nach genauerem Betrachten auch Mischöle, denen Hanföl beigemischt wurde. Therapeutisch relevant ist das reine THC-freie CBD-Öl. „THC-frei“ bedeutet dabei, dass die Produkte weniger als 0,3 % THC enthalten.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie testete die Inhaltsstoffe von insgesamt 29 handelsüblichen CBD-Produkten für Tiere. Alle Produkte waren unterhalb der THC Grenze von 0,3 %. Beim CBD-Gehalt sah es dagegen schon deutlich anders aus. 2 Produkte enthielten gar kein CBD, obwohl ein nicht gerade niedriger Gehalt auf dem Etikett angegeben war. Nur 10 von den restlichen 27 lagen innerhalb einer 10% Abweichung von dem auf dem Etikett genannten Werten. Schwermetallkontaminationen wurden in 4/29 Produkten festgestellt, wobei Blei die am weitesten verbreitete Kontamination war (3/29).1

Bei der Form der Verabreichung war bei Hunden das pure CBD-Öl, oral verabreicht über eine Pipette, wirksamer als die transdermale Creme oder die geschlossenen Kapseln.2

Katze inside: CBD-Öl und der kätzische Stoffwechsel

Erst 1990 erforschte man den genauen Wirkmechanismus von Cannabidoiden auf den menschlichen Körper. Dabei stellte man fest, dass zwei Rezeptoren maßgeblich beteiligt sind und benannte sie Cannabinoidrezeptoren. Von diesen sind die Rezeptoren CB1 und CB2 am besten erforscht. Rezeptoren funktionieren nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Sobald der richtige Schlüssel (Ligand) an das Schloss (Rezeptor) andockt, wird die Tür geöffnet, also in Folge ein Mechanismus ausgelöst. Dieser ist je nach Rezeptor größtenteils vorbestimmt. Es können aber auch unterschiedliche Schlüssel in ein Schloss passen und die Tür geht dann unterschiedlich weit auf. Als Schlüssel gibt es einmal Agonisten, welche die Tür öffnen und sog. Antagonisten, welche z. B. an einem anderen Schloss andocken und „unser“  Schloss dabei blockieren. Das Ganze ist ein kompliziertes Gefüge und man muss schon wissen was passiert, damit man abschätzen kann, welcher Schlüssel am besten passt und man die 1-Euro teuren Tropfen (10 ml entsprechen 200 Tropfen, bei 200 Euro pro 10 ml sind das 1 Euro pro Tropfen) nicht gleich besser direkt in den Spülstein kippt.

Jetzt kann man natürlich davon ausgehen, dass der Säugetier-Körper nicht nur auf das Kiffen allein gewartet und schon mal zwei schlummernde Rezeptoren dafür ausgebildet hat, sondern auch der Körper selbst produzierte schon immer Stoffe, die an diese Rezeptoren andocken können, also körpereigene oder etwas fachlicher Endocannabinoide. Dabei sind bisher besonders die Wirkmechanismen der beiden Agonisten Arachidonylethanolamid (Anandamid) und 2-Arachidonylglycerol (2-AG) am häufigsten untersucht worden. Im Zuge dessen stellte man auch fest, dass sie ebenfalls einen Einfluss auf bereits bekannte Rezeptoren haben, in diesem Zusammenhang „Non-Cannabinoidrezeptoren“ genannt. Unter diesen befinden sich z. B. die Vanilloid-Rezeptoren, moderner gesagt die „transienten Rezeptor-Potential-Kationenkanäle der Vanilloid-Familie“ und werden mit TRPV1 und TRPV2 abgekürzt, welche z. B. auch eine Rolle beim Schmerzempfinden spielen. Allerdings in entgegengesetzter Richtung. TRPV1 wird zum Beispiel angesprochen durch Capsaicin, den Stoff aus Chilischoten, der für Schmerzen und eine Erhöhung der Körpertemperatur sorgt. Also eigentlich eine Wirkung, die man normalerweise nicht erzielen möchte. In diesem komplexen Gefüge das richtige Exocannabinoid in der richtigen Dosierung anzuwenden, ist also das große Geheimnis. Es gibt seit Entdeckung des Cannabinoidsystems auch viel Entwicklung bei synthetischen Cannabinoiden (SCB), welche aber alle ihre ganz eigenen Besonderheiten haben und auch nachteilig wirken können, bis hin zu Todesfällen.

Da Katzen ebenfalls Cannabinoid und Non-Cannabinoidrezeptoren besitzen, gehen jetzt viele davon aus, dass die in bisher veröffentlichten Studien an anderen Tierarten und Menschen gefundenen positiven Wirkungen auch auf Katzen zutreffen. Schlüsse von Erfolgen bei anderen Tierarten oder dem Menschen auf Katzen zu übertragen kann aber wegen der extremen Besonderheiten des kätzischen Stoffwechsels riskant sein. Bestätigt wird diese Annahme durch die Untersuchungen von Harvey et al. an Menschen, Hunden und Ratten, welcher herausfand, dass bei allen 3 Spezies ein eigenes – aber jeweils unterschiedliches – Verarbeitungsmuster der Cannabiniode erfolgte.3

Wir erinnern uns kurz, dass THC ein Cannabinoid ist, welches eine toxische Wirkung auf Katzen (und Hunde) hat und das Ölextrakt Cannabidiol ebenfalls ein Cannabinoid ist. Katzen verstoffwechseln bestimmte Bestandteile in Ölen aufgrund ihrer Glucuronidierungsschwäche anders, auch anders als Hunde, und Öle können dann auch schnell hepatotoxisch oder nephrotoxisch wirken, also die Leber oder Niere schädigen. Ausführlicher haben wir diesen Mechanismus in unserem Artikel über das Schwarzkümmelöl erklärt. Dort sind es allerdings vorwiegend die Terpene die bedenklichen Stoffe im Öl. Terpene gibt es im Ölextrakt der Cannabis sativa Pflanze ebenfalls genug.

Die wichtigsten Cannabinoidrezeptoren im Detail

Der CB1-Rezeptor findet sich vor allem im Gehirn in den Neuronen. Er findet sich in allen Arealen des Gehirns in außergewöhnlich hoher Dichte. Der Haupt-Wirkmechanismus eines aktivierten CB1-Rezeptors besteht in der Modulation spannungsabhängiger Kalziumkanäle in den Axonterminalen (Präsynaptische Endigung, auch (Synapsen-) Endknöpfchen) der Neuronen. Dies hat viele weitere Mechanismen zur Folge, abhängig von dem beteiligten Partner-Rezeptor.

So kann das Belohnungszentrum aktiviert werden, eine antikonvulsive (antiepileptische) Wirkung entstehen, bei Gehirntraumata werden Endocannabinoide mit neuroprotektiver Wirkung gebildet. Während Entzündung oder Stress freigesetzte Endocannabinoide können analgetisch (schmerzlindernd) wirken, wie auch allgemein Schmerzen gelindert werden können, egal ob Endo- oder Exocannabinoide. Aber auch das Lernverhalten, die kognitiven Fähigkeiten oder Nahrungs- oder Platzpräferenzen werden durch den CB1-Rezeptor entscheidend mitgeprägt.

Biochemisch funktioniert das, weil die Agonisten sog. „Retrograde Messenger“ sind, also postsynaptisch freigesetzt werden, aber presynaptisch wirken. Diese Wirkung besteht dann in einer Modulation der neuronalen Freisetzung von Acetylcholin, Dopamin, GABA, Histamin, Serotonin, Glutamat, Cholecystokinin, D-Aspartat, Glycin oder Noradrenalin.4

Der CB2-Rezeptor kommt vor allem in immunrelevanten Geweben und Organen vor, wie z. B. der Milz, verschiedenen Drüsen, dem Knochenmark, den B-Lymphozyten und den Monozyten/Makrophagen, vereinzelt auch im Gehirn z. B. im Hippocampus und moduliert das Immunsystem mit.

Interessanterweise reagiert auch die für ihren guten Einfluss auf das Immunsystem bekannte Heilpflanze Echinacea mit dem CB2-Rezeptor. Besonders die in Echinacea enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe Alkylamide interagieren mit dem Rezeptor und lösen darüber die bekannte immunmodulierende Aktivität aus.5

Jetzt ist es so, dass es auch bereits Ergebnisse zu Untersuchungen der Rezeptoren bei Katzen und Hunden gibt und da ist z. B. die Bindungsaffinität für den CB2-Rezeptor beim Hund 30-mal geringer als beim Menschen und bei der Ratte.6

Allerdings haben Hunde wesentlich mehr CB1 Rezeptoren als Menschen, weswegen sie in diesem System dann wiederum sensibler auf Cannabinoide reagieren7

Verträglichkeit von CBD-Öl bei Katzen

Wir haben oben ja schon einige Punkte in den Raum geworfen.

Generell scheinen Hunde CBD-Öl wesentlich besser zu tolerieren als Katzen. Leider gibt es aktuell keine Langzeitstudien, welche die Unbedenklichkeit von CBD-Öl bei Katzen (oder Hunden) bescheinigen. Allerdings gibt es durchaus schon Erkenntnisse zu Nebenwirkungen und da ist die offizielle Meinung eindeutig.

Die für diesen Artikel prägnanteste Aussage kommt von Kelly A. Deabold, der Haupt-Herausgeberin der Studie „Safety Assessment with Use of CBD-Rich Hemp Nutraceutical in Healthy Dogs and Cats“: „Auf der Grundlage von diesen und anderen neuen Daten scheint die Anwendung von CBD-reichen Hanfnutraceuticals bei gesunden erwachsenen Hunden relativ sicher zu sein, während bei Katzen mehr Studien erforderlich sind, um den Stoffwechselweg und die Absorption vollständig zu verstehen.“ In ihrer Studie wurden Hunde und Katzen über 12 Wochen untersucht, während ihnen ein CBD-/Hanföl-Mix verabreicht wurde. Dabei hatten die Hunde relativ normale Werte und kaum Nebenwirkungen, während bei den 8 Katzen erhöhte ALT-Werte (ein Leberwert), bei einer Katze sogar oberhalb der Referenzwerte (was die vorherigen Annahmen bestätigt, dass die Leber einer der wunden Punkte sein wird) und am häufigsten zu übermäßigem Lecken und Kopfschütteln bei der Verabreichung des Öls kam, neben einer Reihe von weiteren Nebenwirkungen. 2 Katzen speichelten derart stark, dass sie aus der Studie entfernt wurden, weil man nicht sicher sein konnte, dass sie die komplette Dosis aufgenommen hatten.8

Ein weiterer Punkt, den man beachten muss ist der „biphasische Effekt“, der bei Cannbidiolen eintreten kann und für Menschen genauso wie Tiere gilt. Dies bedeutet, dass innerhalb einer bestimmten Microdosis ein bestimmter (gewünschter) Effekt eintritt, welcher ab einer Makrodosis dann zu den genau entgegengesetzten (unerwünschten) Auswirkungen führen kann. Die gute alte Regel „Weniger ist mehr“ gilt also auch bei der Anwendung von CBD-Öl.

Was man auch nicht außer Acht lassen sollte, ist das durch die Einnahme entstehende Risiko für Freigängerkatzen. Hier kann die oftmals durch die Verabreichung ausgelöste veränderte Wahrnehmung oder angstlösende Eigenschaft zu verzögerten Reaktionen bei herannahenden Autos oder anderen Gefahren führen(!)

Wechselwirkung mit Medikamenten

CBD-Öl nimmt denselben P450-Verarbeitungsweg ein, wie viele Medikamente. Bei Menschen werden nach Einnahme bestimmte Cytochrom-P450-Enzyme gehemmt, insbesondere CYP450 2C19, was zu einer Hemmung oder Verlangsamung des Metabolismus bestimmter Medikamente führen kann. Hunde und Katzen bilden ebenfalls CYP450 2C19 aus, jedoch fehlen hier noch vollständig die Daten zur Interaktion mit CBD.9

In den Untersuchungen zur Epilepsie bei Hunden wurde herausgefunden, dass der Phenobarbitalspiegel sich verändert. Bei einigen Hunden erhöht er sich, bei einigen sinkt er. Bei Katzen gibt es dazu keine Untersuchungen, das Ergebnis sollte aber ähnlich sein und im Zweifel immer noch ein Stückchen schlechter bei der Katze. Es ist daher wichtig, CBD-Öl immer in Zusammenarbeit mit dem Tierarzt zu verabreichen(!)

CBD-Öl bei verschiedenen Krankheiten

Zunächst einmal eine wichtige Anmerkung zu Studien: Keine Hanf-Pflanzen-Ernte ist gleich. Das ist quasi wie mit Wein. Bei dem kommt es sogar wetterbedingt zu großen Unterschieden im gleichen Anbaugebiet und der gleichen Erde. Beim Hanf ist dies nicht anders, was die enthaltenen Wirkstoffe angeht. Trotz aller Kontrolle handelt es sich um ein Naturprodukt. Je nach Sorte, Pflege, Anbauart sind auch die enthaltenen phytochemischen Wirkstoffe unterschiedlich. Verspricht eine Studie, dass der Einsatz von CBD-Öl eine tolle Wirkung auf die Arthrose bei Hunden hatte, dann trifft das erst mal nur auf das verwendete Produkt zu. Man müsste dann anhand der Analysen ein ähnliches Produkt finden, um denselben Effekt erwarten zu können.

Das Team um Kogan et al., welche Käufer von Cannabis-Tierprodukten gefragt hatten, wofür diese die Produkte gekauft haben, um herauszufinden, in welchem Gebiet sich teure Studien am ehesten lohnen, gaben die meisten an, dass sie sich eine Wirkung bei Schmerzen, Angst, Entzündungen, Epilepsie, Krebs, Arthrose/Arthritis und Allergien versprechen, sowie bei Katzen zusätzlich zu den vormals genannten eine Verbesserung des Schlafverhaltens. (Kogan et al. 201510+ 201811 )

Arthrose

Zur Anwendung von CBD Öl bei Arthrose gibt es eine Hundestudie, die auf den ersten Blick erfolgsversprechend wirkt.

Betrachtet man diese Studien näher, bleiben auf den zweiten Blick viele Fragen offen. Der Service „BestBETs for Vets“ von der Universität Nottingham analysiert veterinärmedizinische Studien im Detail, um Tierärzten eine Entscheidungshilfe zu geben, wie zuverlässig die jeweiligen Ergebnisse sind. Eine der beiden Studien findet sich dort auch und das Resultat ist etwas ernüchternd. Während Lauri-Jo Gamble und ihre Kollegen von einer vielversprechenden Besserung sprechen12 dämpft Lisa Morrow die Euphorie deutlich.13 Zu wenig Tiere, zu wenig Kontrolle bei der Verabreichung von weiteren Nahrungsergänzungen – es wurde zum Beispiel nicht mit erfasst, ob die Hunde noch weitere typische Arthrose-NEMs wie Fischöl, Glucosamin oder Chondroitin erhielten, zu kurze Washout-Phase, zu geringer Erfolg bei CBD-Öl allein, denn einige der Hunde erhielten gleichzeitig noch herkömmliche Schmerzmittel (nichtsteroidale Antiphlogistika = NSAID) und niemand kann ersehen, ob die Tierärzte das bei der Beurteilung wussten, davon abgesehen, dass das gesamte Scoring System schwach war.

Epilepsie

Auch wenn bereits 1973 festgestellt wurde, dass THC in einer leichten Dosierung und sehr kurzen Anwendungszeit eine antikonvulsive Wirkung auf Katzen hatte, wurde der Weg aufgrund der Toxizität nicht weiter verfolgt.14 Als das THC-freie CBD-Öl auf den Markt kam, waren die Hoffnungen natürlich groß, ein weiteres Mittel gegen Krampfanfälle/Epilepsien im Petto zu haben.

Es wundert daher nicht, dass sich eine der ersten Studien für Haustiere der Epilepsie widmete. Allerdings wieder nur bei Hunden. Auch hier hat Lisa Morrow von „BestBETs for Vets“ eine Analyse für alle Interessierten gemacht15 und ist auch hier zu einem ernüchterten Fazit gekommen. Während sich das „Abstract“ der Studie von Stephanie McGrath16 noch recht vielversprechend anhört, ist auch hier klar, dass die Ergebnisse zu verschieden sind und nicht kontrolliert genug, um eine versierte Aussage treffen zu können. Hier wurde das CBD-Öl als Ergänzung zu herkömmlichen Antiepileptika bei Hunden verabreicht, die generell schlecht auf die Therapie ansprachen und auch in der Placebogruppe gab es eine Reduzierung der Anfälle. Die Anzahl der Hunde war gering. Es gab eine hohe Ausschlussrate (90%) bei der Zulassung, und nur 65% der aufgenommenen Hunde schlossen die Studie ab. Was mit den restlichen Hunden geschah oder was die Zugangskriterien waren, bleibt unbeantwortet.

Dr. Alexandra Nadig, die Cannabis zum Inhalt ihrer Doktorarbeit machte, schreibt in ihrem Artikel über CBD-Öl in der Tiermedizin, dass sich besonders bei Hunden gezeigt hat, dass nicht alle Epilepsie-Patienten auf das Öl ansprechen. Lediglich bei neuromuskulären Varianten wie der myoklonalen Epilepsie konnte man durchaus Erfolge aufweisen.17

Der Vollständigkeit halber sei nochmal erwähnt, dass bei Epilepsie mit dem MCT-Öl ein nachweislich besser wirksames, durch Studien belegtes und für Katzen zudem unbedenkliches Produkt zur Verfügung steht.

Was die anderen Krankheiten, Schmerzen, Zustände wie Angst, Stress oder das Schlafverhalten angeht, gibt es aktuell keine Studien an Hunden oder Katzen, aber sehr viele an Menschen, Mäusen oder Ratten, welche durch die Parallelen auch in einem gewissen Maß übertragbar sind. Hier gibt es auch einige Tierärzte in Deutschland, die CBD-Öl schon angewendet haben und über Erfahrung verfügen. Die Anwendung als ergänzendes Produkt zu Schmerzmitteln und als Angstlöser scheint dabei am weitesten verbreitet zu sein.

Fazit:

Hier würden wir gerne einen Auszug aus einem Interview mit einem seriösen Hersteller von CBD-Produkten für Tiere in den USA – ElleVet – wiedergeben. ElleVet ist einer der ersten Hersteller, die ein eigenes Katzenprodukt entwickelt haben (welches sich auch tatsächlich in der Zusammensetzung unterscheidet) und der einzige weltweit, der dieses auch in einer dreimonatigen Studie an einer renommierten Uni, der Cornell Universität, auf ihre Unbedenklichkeit hin getestet hat:

“Katzen sind absolut keine kleinen Hunde und sie verstoffwechseln die Produkte ganz anders. Katzen vertragen keine der Medikamente, die Hunde gegen Schmerzen einnehmen. Ihre Leber verträgt sie einfach nicht. Wenn ein Mensch versucht, einer kranken Katze zu helfen, indem er ihr ein Schmerzmittel für Hunde gibt, können sie schwer krank werden. Es gibt nur sehr wenige Schmerzmittel für Katzen, die sicher sind. Deshalb haben wir eine Langzeit-Sicherheitsstudie durchgeführt, um festzustellen, dass unsere Produkte für Katzen sicher sind”.

Sie fanden auch heraus, dass Katzen teilweise eine größere Dosis benötigen als Hunde, um denselben Effekt zu erzielen und dass es durchaus einen Effekt auf Katzen gibt, besonders was Schmerzen und Angstlösung angeht.

Es ist daher ganz wichtig, abzuwägen, ob man ein nicht für Katzen erprobtes Mittel überhaupt anwendet. Aktuell dürften rund 99,9 % aller Produkte als für Katzen bedenklich eingestuft werden.

„CBD-Öl ist aktuell kein Wundermittel – nur ein einfaches Ergänzungsmittel, das in wenigen Fällen Sinn macht und noch viel mehr Untersuchungen benötigt, um die Synergieeffekte besser nutzen zu können und um so vielleicht irgendwann einmal das maximale Potenzial an den Rezeptor weitergeben zu können, was dann vielleicht auch eine gezielte Wirkung bei einer bestimmten Krankheit hat.“

Wenn man sich allerdings aufgrund einer Nutzen-Schaden-Abwägung für ein Öl aus der 99,9 % Riege entschieden hat, z. B. weil die Lebensqualität so stark gesunken ist, dass der ggf. dadurch in Kauf genommene frühere Tod eine Erlösung wäre und bis zu dem Zeitpunkt eine deutlich höhere Lebensqualität erzielt werden könnte, dann wählt das Öl weise. Am besten in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt, der sowohl Erfahrung mit dem Öl als auch mit Katzen hat. Es sollte keine Terpene enthalten, ein stets aktuelles Analysezertifikat parat haben und nicht zu hoch dosiert sein.

Beherzigt die Katzenstoffwechselgrundregel Nummer 1: Startet mit so wenig wie möglich in so großen Zeitabständen wie möglich. Auf der Ebene der Verhaltensmedizin gibt es so z. B. auch Dosierungen von „einem Tropfen alle 2 Tage“. Nehmt Abweichungen von diesen Empfehlungen niemals ohne Absprache mit dem Tierarzt vor. Und hört schon gar nicht auf den Hersteller allein. Wir haben da schon (Werbe-)Aussagen gehört, die einem die Hutschnur platzen lassen.

Denkt daran, dass man die Dosis an die Katze anpassen muss und nicht die Katze an die Dosis. Es kann sein, dass bei einer Krankheit wie z. B. Epilepsie eine häufige und hohe Dosis verabreicht werden müsste, um den gewünschten Effekt zu erzielen. Sobald es ZU häufig oder ZU hoch ist, fällt das Mittel raus. Man kann dann noch gucken, ob man es im Wechsel mit etwas anderem gibt oder ob die unbedenkliche Dosis trotzdem eine leichte Verbesserung bringt und es dann komplementär zu einer anderen Therapie verwendet werden kann, aber die Wahrscheinlichkeit, dass es für viele Krankheiten eben nicht die beste Wahl ist, ist aktuell sehr groß.

Aktuell scheint CBD-Öl bei Katzen lediglich bei Schmerzen und Angst wirklich weit vorne zu liegen, wobei die Anzahl der getesteten Tiere in allen Studien einfach viel zu gering war, um wirklich verlässliche Aussagen zu treffen, auch bei Hunden. Zudem ist CBD-Öl nicht dafür gedacht, es als alleiniges Mittel zu geben, sondern nur ergänzend zu herkömmlichen Mitteln, die man dann aber vielleicht in der Dosis etwas reduzieren kann.

Für die meisten der anderen Krankheiten, bei denen CBD-Öl propagiert wird, gibt es wesentlich bessere Nutraceuticals, wenn man unbedingt auf der „Natürlich-statt-Chemie“-Welle reiten möchte und viele davon sind sogar sehr gut verträglich. In Frauchens umfangreichen Ausbildungen u. a. als Tierheilpraktikerin, Phyto- und Mykotherapeutin sowie Ernährungsberaterin für Hund und Katze galt diesen pflanzlichen Wirkstoffen immer ein besonderes Interesse und sie hat sich weit über die normalen Ausbildungsinhalte hinaus darin weitergebildet und unfassbar genialen Lernstoff ins Haus geholt. Ihr könnt uns also glauben, wenn wir sagen, dass es irgendwo in einem fremden Land in einer fremden Kultur ein Nutraceutical gibt, das für vieles besser geeignet ist als CBD-Öl. Und wenn wir weiter Lust haben, unser umfangreiches Wissen mit euch zu teilen, dann werdet ihr davon auch noch einiges kennenlernen.

Cura, ut valeas.

Wer hat hier geschrieben?
Wer hat hier geschrieben?

Jasper, schlauster Kater der Welt, weise 8 Jahre alt. In Fachkreisen auch „Professor Jasper” genannt. Besonderes Interesse an allen Futtermitteln von Tieren mit langen Ohren. Muss sein Frauchen oft vom Computer wegpfoteln, damit er seine fachlich fundierten Beiträge auf hohem Niveau schreiben kann. Hält sein Frauchen und seine 5 pelzigen Mitbewohner für doof wie Brot. Erträgt das durch Bauchkraulen, Vogelbeobachtungen am Katzenbalkon und regelmäßige Hasenfleischmahlzeiten aber ganz gut.

  1. Studie: Cannabinoid, Terpene, and Heavy Metal Analysis of 29 Over-the-Counter Commercial Veterinary Hemp Supplements von Wakshlag et al., 2020, doi: 10.2147/VMRR.S248712 []
  2. Studie: Pharmacokinetics of cannabidiol administered by 3 delivery methods at 2 different dosages to healthy dogs von Bartner et al., 2018, PMCID: PMC6038832 []
  3. Comparative Metabolism of Cannabidiol in Dog, Rat and Man von Harvey et al., 1991, doi: 10.1016/0091-3057(91)90358-9 []
  4. Artikel: The use of cannabinoids in animals and therapeutic implications for veterinary medicine: a review von Landa et al. doi: 10.17221/8762-VETMED []
  5. Buch: Veterinary Herbal Medicine von Dr. Susan G. Wynn, Dr. Barbara Fougere ISBN: 9780323029988 []
  6. Studie: Ndong C, O’donnell D, Ahmad S et al (2011) Cloning and pharmacological characterization of the dog cannabinoid CB2 receptor. Eur J Pharmacol 669:24–31 []
  7. Studie: The Endocannabinoid System of Animals von Robert J. Silver, 2019, doi: 10.3390/ani9090686 []
  8. Studie: Safety Assessment with Use of CBD-Rich Hemp Nutraceutical in Healthy Dogs and Cats von Deabold et al.,2019,  doi:10.3390/ani9100832 []
  9. Cannabinoid treats as adjunctive therapy for pets: gaps in our knowledge von Greb et al., 2018, doi: 10.1080/24734306.2018.1434470 []
  10. Studie: Consumers perceptions of animal hemp products von Kogan et al., 2015 []
  11. Studie: Dog owner’s use and perceptions of cannabis products von Kogan et al., 2018 []
  12. Studie: Pharmacokinetics, Safety, and Clinical Efficacy of Cannabidiol Treatment in Osteoarthritic Dogs von Gamble et al., 2018, doi:10.3389/fvets.2018.00165 []
  13. https://bestbetsforvets.org/bet/566 []
  14. Studie: Antiepileptic properties of Δ9-tetrahydrocannabinol von Wada et al., 1973, doi:10.1016/0014-4886(73)90048-4 []
  15. https://bestbetsforvets.org/bet/568 []
  16. Studie: Randomized blinded controlled clinical trial to assess the effect of oral cannabidiol administration in addition to conventional antiepileptic treatment on seizure frequency in dogs with intractable idiopathic epilepsy von McGrath et al., 2019, doi: 10.2460/javma.254.11.1301 []
  17. Artikel: „CBD-Öl in der Tiermedizin – Pharmakologie, Anwendung & Fallbeispiele.“ von Nadig A, 2018, doi: 10.1055/a-0713-7626 []