Posted on Dez 19, 2015 | 9 Kommentare

Also echt mal. Erst verschleppen die mich aus dem Osten und dann ist hier alles anders. Sogar eine andere Sprache sprechen die hier. Auch wenn die neue Putze mich hier mit einem flotten Здравствуй (= Grüß Dich, gesprochen: Sdraßtwüij) aus ihren ausgegrabenen Russisch-Kenntnissen begrüßt hat, ist das doch alles sehr merkwürdig.

Wenn ich was von dem Rohzeug mampfe, dann leuchtet ihr Gesicht richtig. Brauchste keine Taschenlampe mehr. * schwör * In dem Moment, wo ich aber einen neuen Sprintrekord hinlege, weil ich die Doofu-Tüte (Anm.d.Red.: Doofu =  doofes Trockenfutter) rascheln höre, aus der es hier was zum Fummeln gibt, fällt aber jede Helligkeit von ihr ab. Egal, mir schmeckt es auch im Dunkeln. Alles, was dazwischen ist mampfe ich auch anstandslos. Komme halt aus dem Osten, da gibbet ja nix.

Gibt es natürlich genug, aber das vergessen die meisten ganz gerne. Was es dort nämlich momentan im Überfluss gibt, das ist Krieg. Und deswegen bin ich überhaupt hier gelandet.

Ich komme aus Kiev, das liegt in der Ukraine und ist noch ein bisschen weiter vom Krieg weg als das Städtchen Dnipropetrovs’k, aus dem die neue Futterfrau eigentlich die kleine Ivanka adoptieren wollte. Leider starb die bei der Kastra, was mich dann aber wiederum ein paar Wochen später ins Spiel brachte.

Mein Weg war so ähnlich wie der jeder Katze aus diesem kriegsgebeutelten Land: irgendwann stand ich inmitten einer Katergang, der ich mich angeschlossen hatte, weil da eine nette Frau kommen soll und uns Futter gibt. Und die gab mir nicht nur Futter, sondern hat mich nach einer Woche auch gleich einkassiert, weil man mir gleich ansah, dass ich entweder aus dem sicheren Zuhause geworfen wurde, weil meine Menschen nicht wussten, wie sie mich auch noch mit durchfüttern sollen oder ich wurde zurückgelassen, weil meine Menschen aus Angst vor dem Krieg flüchten und woanders hingehen. Da bleiben viele Haustiere auf der Strecke und müssen gucken, wie sie sich selbst durchschlagen. Die wenigsten haben Glück, dass sich ihre Menschen auch noch um sie kümmern, wenn sie ihr Heim verloren haben, wie diese Frau mitten im Kriegsgebiet: “Den Alltag überstehen:

Ich hatte das, was sich später als Glück heraus stellte, und wurde einfach mitgenommen. Es gab ein paar doofe Phasen, in denen ich gepiekst, beguckt und alleine eingesperrt sein musste (meine Dinger haben sie mir auch geklaut!!!), aber die meiste Zeit konnte ich mit anderen Kumpels auf meiner neuen Pflegestelle rumsausen.

Bis ich dann “der Kater, der am schnellsten weg war” geworden bin, nachdem meine neue Tippse ja bereits die positive Vorkontrolle hinter sich hatte und nur noch ja sagen musste. Einen neuen Namen durfte sie mir auch geben.

Nachdem sie zuletzt in Tibet auf Namenssuche war, ist sie diesmal in Nepal fündig geworden. 5 Tage nach den schlimmen Anschlägen in Paris und dem unverändert schwelenden Krieg in der Ukraine hat sie sich für die Entsprechung von “Frieden” entschieden. Auf Nepali heisst das “SAANTI”.

Und da bin ich!

Hallo Welt!

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Um nicht gleich mein ganzes Pulver zu verschiessen und noch genug für Folgebeiträge zu haben, nur erstmal so viel: Mit den anderen klappt es super. Meine neue Putze ist der festen Überzeugung, dass ich als Kind in den Zen-Topf gefallen sein muss.

Und in meinem nächsten Beitrag stelle ich euch den Verein “Helping Hands” näher vor, die das alles organisiert haben.