Posted on Nov 1, 2013 | 17 Kommentare

♫ Wir singen Frau Doktor ein Lied, ein Lied, wir singen Frau Doktor ein Lied! Wi-hier siiin-geen♫

Vermutlich werden das einige von euch kennen. Ihr werdet in so einen doofen Korb gepackt, der schwankt dann hin und her und dann kommt ihr in ein anderes schwankendes Ding was so doofe Brummgeräusche macht. Und kaum fangt ihr an zu singen stimmt das Frauchen mit ein. Dann werden irgendwelche Kinderlieder-Klassiker entfremdet mit einem doofen Text, der dem Frauchen gerade so einfällt. Und ich stimme gerade das Klagelied Akt 3 (der Höhepunkt) an und die fuhrwerkt einem dilettantisch dazwischen. Und kaum stimme ich voller Inbrunst nach dem Crescendo mein meisterlich gesungenes Mezzoforte an kommt von der anderen Seite ein “Wir singen Frau Doktor ein Lied, ein Lied”.

Wir waren also gestern bei Frau Doktor. Weil ich die letzten zwei Tage extrem oft kleinere Mengen Pippi danebengemacht hatte und gestern morgen sogar in hohem Bogen auf das Bett gepieselt habe. Frauchen musste dann alles abziehen, auch den Matratzenbezug, und hat sich einen halben Tag Urlaub genommen um mit mir zur Frau Doktor zu gehen. Die kannte Frauchen auch noch nicht, ist aber ein kleiner Geheimtipp hier im Kreis. Die nimmt nämlich alle Tiere so wie sie sind, redet mit dem Tierhalter Tacheles, freut sich richtig, daß wir roh ernährt werden und hat schon von ganz alleine den Spickzettel von Frauchen beachtet. Da stand nämlich “KEINE Langzeitantibiotika” drauf und “KEIN Metronidazol”. Die Frau Doktor fragte dann auch ob ich Epileptiker sei, aber das bin ich ja gar nicht. Frauchen war auf jeden Fall total begeistert. So begeistert, daß sie vergessen hatte zu fragen was mir gespritzt wurde. Und wir sollten dann “morgen am Feiertag” nochmal wiederkommen.

Frauchen hatte sich ja total Sorgen gemacht, daß ich den Arztbesuch ganz schlecht wegstecke. Während der Wartezeit haben mir nämlich die Hinterpfoten total gezittert und ich war recht panisch. Aber als sie mich Zuhause rausgelassen hat bin ich voll cool auf dem Teppich sitzengeblieben und habe ein wenig mit ihr gespielt. Und später habe ich dann artig ins Klo gemacht und dann kam auch schon das Highlight des gestrigen Tages. Unser Heuschrecken-TV hat ein neues Programm bekommen. Da werden die anderen beiden Kater aber noch drüber berichten.

Und Abends habe ich dann wieder ganz begeistert gespielt, so daß klar war, daß es mir besser ging. Einen Pippi-Unfall gab es bis heute Morgen auch nicht mehr. Und heute hat Frauchen geduscht und sich fertig gemacht und mich wieder in die doofe Tasche gesteckt. Beim Rausgehen fiel ihr aber auf, daß der Reissverschluß etwas offen war, also ist sie nochmal umgedreht um mich von der geschlossenen Tasche mit kleinen Gittern in den Plastikkorb mit Öffnung von oben und vielen Seitenschlitzen zu stopfen. Dann ging das alles wieder von vorn los. Dilettantisches “Wir singen Frau Doktor ein Lied, ein Lied…” von links, meisterlich gesungenes Mezzoforte von rechts. Ankunft bei Frau Doktor – Frauchen berichtet – Frau Doktor ist zufrieden und gibt mir nichts mehr.

Waltrop, ein Freitag im November, die Blase hält.

Das gleiche auf dem Weg zurück: Dilettantisches “Wir singen Frau Doktor ein Lied, ein Lied…” von links, meisterlich gesungenes Mezzoforte von rechts. Irgendwann – Waltrop, ein Freitag im November, die Sonne scheint. Stille von rechts. Ein Pippistrahl richtet sich zielsicher auf Frauchen. Endlich hört die auf zu singen! Frauchen dreht den Korb ein wenig und nicht nur Frauchen kommt in den Genuss der warmen Dusche. Auch das Armaturenbrett, Frauchens Handtasche, … die Blase war voll. Frauchen hält die Hand vor den Korb, also wird der Sitz auch schön geduscht…. Frauchen weiss jetzt sehr genau, wie der Strahl auf das Bett kam. Ich fange wieder an zu singen ♫ “Da klappern die Mühlen im rauschenden Bach” ♫

Frauchen presst sich ein knappes “Ich kann Dich nicht rausholen, da musst Du jetzt durch” raus und fährt mit zusammengekniffenen Lippen weiter.

Castrop, ein Freitag im November, die Sonne scheint. Stille von links.

Zuhause hat Frauchen mich dann in die Dusche gestellt und ich ahnte schon Schlimmes. Statt dessen hat die mich in ein mollig warmes, nasses Handtuch getan und leicht abgerubbelt und hinterher nochmal mit einem trockenen Handtuch nachgerubbelt, bis ich wieder trocken war. Hat sich dann den Enzymreiniger und den EM-Spray geschnappt und ist zum Auto gegangen und meinte nur daß die jetzt zeigen können was die drauf haben.

Und ich? Ich singe noch ein wenig … ♫ “Kommt ein Kater, vollgeladen…” ♫