Posted on Mrz 27, 2013 | Keine Kommentare

Die fettlöslichen Vitamine
Bei fettlöslichen Vitaminen kann eine Überdosierung entstehen mit zum Teil dramatischen Folgen, an deren Ende sogar der Tod stehen kann. „Überdosierung“ bedeutet dabei, dass über mehrere Wochen oder sogar Monate zu hohe Dosen verabreicht worden sein müssen.

Die gute Nachricht bei den fettlöslichen Vitaminen ist: Alle Vitamine sind in tierischem Gewebe in ausreichendem Maß vorhanden. Man muß nur auf ein ausgewogenes Verhältnis der Fleischsorten achten und am Ende ist der Spielraum größer als man denkt.

Vitamin A (Retinol)
Auch hier fehlt Katzen die entscheidende Enzymaktivität, um Betakarotin in Vitamin A umwandeln zu können und sie benötigen es daher unverschlüsselt als Retinol in ihrer Nahrung. Vitamin A ist ausschließlich in tierischem Material natürlich vorhanden, nicht in Pflanzenmaterial. Leider wird dies oftmals in Nährwertdatenbanken missverständlich dargestellt, da diese in erster Linie für Menschen gemacht sind und davon ausgegangen wird, dass das enthaltene Beta-Karotin in Retinol umgewandelt werden kann.

Bei Beutetieren weist insbesondere die Leber einen hohen Anteil an Retinol auf. Es ist wichtig für die Augen, Haut und Knochen, sowie den Zahnstoffwechsel und das Immunsystem. Eine Überdosierung kann die Verkrümmung/Verknöcherung der Wirbelsäule verursachen und damit verbunden Lähmungen und Bewegungsstörungen von Vorderbeinen, Kopf oder Hals, die nicht mehr korrigierbar sind.

Vitamin A wird im Darm absorbiert und als Verbundstoff in die Leber weiter transportiert. Dort wird es eingespeichert bevor es zu den Zellen weiter transportiert wird. Ein großer Teil des Vitamin A findet sich im Katzenkörper im Blut wieder, an Lipoproteine gebunden. Durch die Speicherung in der Leber lassen sich bei einem Blutbild aber keine Rückschlüsse auf die Vitamin-A Versorgung der Katze ziehen. Das Vitamin A kann bei Hunden und Katzen sogar in der Niere gespeichert werden. Da Babykatzen bzw. Kitten noch keinen ausreichenden Puffer aufbauen konnten ist eine angemessene Versorgung mit Vitamin A wichtig, ansonsten droht die Gefahr einer Unterversorgung und dadurch bedingt eine Vielzahl von Symptomen wie Wachstumsstörung, Skelettschäden, Anorexie. Bei der ausgewachsenen Katze ist ein Defizit bei artgerechter Ernährung kaum zu befürchten.

Vitamin D (Calciferol)
Und wie könnte es anders sein – auch hier können Katzen kein Vitamin D aus dem Sonnenlicht über die Haut extrahieren weil uns – na klar – mal wieder was fehlt. Diesmal ist es das  Provitamin “7-dehydrocholesterol” in der Haut. Vitamin D ist in natürlicher Form enthalten in z. B. Leber, Eigelb, Fleisch, Fett, Meeresfischen und Hering. Vitamin D regelt den Calcium- und Phosphathaushalt, den Knochenaufbau und fördert die Kalziumaufnahme.

Man munkelt, dass über die Haut Cholesterol abgesondert wird, auf dem Katzenfell aufliegt, von der Sonne in Vitamin D (hier: D3) umgewandelt wird und angeblich über das Putzverhalten oral wieder aufgenommen wird. Eine Studie hat das untersucht und konnte nach mehreren Versuchsreihen kein Vitamin D durch Sonnenlicht im Katzenkörper nachweisen, es sei denn das Provitamin wurde gezielt zugesetzt. Es handelt sich also um ein Märchen mit der Leckgeschichte.

Eine Überdosierung von Vitamin D (Hypervitaminose D) sorgt für einen unnatürlichen Kalziumhaushalt, so dass sich z.B. Kalzium in den Nieren einlagern kann und eine Niereninsuffizienz bewirkt. Eine Unterversorgung kommt seltener vor, kann aber vor allem bei Jungtieren eine Rachitis bewirken.

Vitamin E (Tocopherole)
Vitamin E sorgt außerhalb des Körpers erst einmal dafür, dass die für die Nahrung verwendeten Öle und Fette nicht ranzig werden, was kein unwichtiger Aspekt ist.

Innerhalb des Körpers sorgt es für die Stärkung des Immunsystems, ist entzündungshemmend, zellerneuernd, bietet Schutz vor Radikalen (nein, nicht “lila Dosen Fütterer”, andere Radikale), reguliert Cholesterinwerte und den Hormonhaushalt, und ist wichtig für Blutgefäße, Muskeln, Nerven und Fortpflanzungsorgane. Vitamin E kommt in der Leber und tierischen Fetten in natürlicher Form vor, aber auch in Pflanzenölen. Während man bei Vitamin A sorgenvoll auf die Wirbelsäule gucken muss ob sie sich verkrümmt, kann man sich bei Vitamin E entspannt zurücklehnen, da eine Überdosierung nahezu ausgeschlossen ist – aber durchaus möglich. Nur bei exzessivem Überschuss über mehrere Wochen wären Leberschäden zu befürchten.

Vitamin E reichert sich im Körper zum Teil in der Leber und im Fettgewebe an. Vor allem aber ist es in den Zellmembranen gespeichert wo es auch innerhalb der Körpers als Antioxidans für die Körperfette wirkt. In Verbindung mit den Fettsäuren wird daher immer auch Vitamin E benötigt sowie das Spurenelement Selen. Mit Selen verbindet das Vitamin E ein Synergismus und man sagt beiden einen wichtigen Anteil am antioxidativen Abwehrsystem nach.

Vitamin E hat durch die Schutzfunktion der Fette vor Ranzigkeit sowohl außerhalb des Körpers als auch innerhalb des Körpers und durch die Synergieeffekte mit Selen und den Omega-Fettsäuren einen besonderen Stellenwert unter den fettlöslichen Vitaminen. Ein Vitamin E Mangel kann daher verschiedenste Auswirkungen haben. Mehr dazu bei den Krankheiten.

Studien über Vitamin E und eine leistungssteigernde Wirkung sind bei der Katze keine vorhanden. Vermutlich haben die Wissenschaftler eingesehen, dass es keine Rennkatzen, Schlittenkatzen oder Wasserrettungskatzen geben wird. Ebenso wenig Suchkatzen oder Blindenkatzen.

Vitamin K (Phyllochinone)
Vitamin K ist zuständig für die Blutgerinnung, das Immunsystem und die Muskulatur. Ein Teil des benötigten Vitamin K, das Vitamin K2, kann durch die Katze selbst im Darm bei ausreichend vorhandenem Bakterienmilieu gebildet werden. Vitamin K1 muss zugefüttert werden und findet sich in Fleisch, Hühnerhaut und Eigelb. Die Zufütterung ist insbesondere wichtig, wenn die Darmflora gestört ist wie z.B. durch Antibiotika.

Noch ein Wort zu synthetischen Vitaminen. Natürliche Vitamine liegen bereits perfekt vorbereitet im Trägermaterial bereit und können zu 95% genutzt werden. Bei synthetischen Vitaminen sinkt diese Nutzbarkeit und der Körper hat mehr Mühe die synthetisch zugeführten Vitamine zu verarbeiten, da sie sich nicht mehr in besagtem Trägerstoff befinden, sondern an andere Stoffe gebunden sind. Ebenso kann nur ein Teil des Vitamins nachgebaut werden. Das natürliche Vitamin hat eine viel größere Bandbreite. Teilweise mit Strukturen die noch nicht entschlüsselt sind. Wie viel von den synthetischen Vitaminen am Ende im Körper noch verwertet werden kann hängt von vielen Faktoren ab, weswegen man immer den natürlichen Rohstoffen den Vorzug geben sollte. Kochen hätte ebenfalls einen Einfluss, aber wir reden ja hier von der Rohfütterung.

Der Fettstoffwechsel – was passiert da in den pelzigen kleinen Wesen?
Wir haben uns verschiedene Quellen zum Fettstoffwechsel angeschaut und es hat etwas gebraucht bis wir das komplett verstanden haben. Wir könnten jetzt auch von Mizellen und Triacylglycerinen anfangen zu faseln, aber das versteht echt kein (Schwein) Mensch!

Wir haben das mal vereinfacht. An dem Fettverdauungsprozess ist neben Magen, Dünndarm und Dickdarm auch die Bauchspeicheldrüse beteiligt, bevor alles in die verschiedenen Lagerstätten kommt, größtenteils in die Leber. Oder die Energiespeicher wieder aufgefüllt werden. Fertig!

Fett hat übrigens eine extrem hohe Bioverfügbarkeit, wenn die Fette alle brav sind, dann sogar 95%. Und Fett liefert fast zweieinhalb mal so viel Energie wie Proteine. Die Katze hört üblicherweise (bei nicht gestörtem Sättigungsgefühl) auf zu essen, wenn ihr Fettspeicher aufgefüllt ist, weswegen die Katze bei einem höheren Fettgehalt eine geringere Menge Futter benötigt. Und interessanterweise ist das fetteste Fleisch oft das preiswerteste. Die Katze jetzt mit einem Becher Gänseschmalz  versuchen schnell satt zu bekommen um Geld am Fleisch zu sparen ist aber jetzt auch nicht so wirklich optimal. Ausgewogenheit zählt auch hier. Der Anteil an Proteinen (Fleisch) muss stimmen.

Nun haben wir einiges zu dem fettigen Zeugs gehört und fragen uns nun: Wie viel braucht die Katze denn davon?

Tja, das ist eine gute Frage. Wer sich mit der Katzenernährung beschäftigt hat und Bedarfswerte sucht, der resigniert irgendwann entweder oder nimmt einen guten Mittelwert aus allen zur Verfügung stehenden Studien. Wie viel die Katze wovon benötigt basiert letztendlich auf der Analyse von Beutetieren – davon soll es alleine 30 Studien geben. Und natürlich auf Erfahrungswerten. Und dann haben wir noch das Problem mit der Verwertbarkeit. Der Bedarf an synthetischen Stoffen ist höher – oder auch nicht? Irgendwann gelangt man zu dem charmanten Schluß: “Alles kann, nichts muss!” Wir versuchen trotzdem mal zu müssen.

Die Frage nach dem Gehalt an Fett ist recht einfach zu beantworten. Optimal sind 46% Fett am Kalorienanteil der Nahrung.  Dies ist die natürliche Zusammensetzung der Beute, wie eine vergleichende Studie aus 30 anderen Studien, die Beutetiere analysiert haben, herausgefunden hat. Und das interessante ist – bei Testreihen bevorzugten Katzen eine ähnliche Zusammensetzung. Übrigens ergab die Beutetieranalyse noch 52% aus Proteinen und 2% aus Kohlenhydraten. Katzen können wohl aber auch problemlos 65% Fettanteil am Kalorienhaushalt vertragen.

Was bedeutet jetzt „am Kalorienanteil“? Nun, 1 g Fett hat 9 Kalorien, Proteine und Kohlenhydrate jeweils 4. Wenn man das jetzt aufschlüsselt, dann würde ein Gesamtanteil von 27,4 % Fett, 69,9 % Proteinen und 2,7 % Kohlenhydraten an der Nahrung bestehen – bei dem Beutetiermix, den eine Streunerkatze im Schnitt zu sich nimmt. Selbstverständlich besteht ein Beutetier noch zusätzlich aus Wasser, so dass die Prozentzahlen in Relativität zur Gesamtmenge der Nahrung zu sehen sind. Im Endeffekt entspricht dies dann der Trockenmasse. Rechnet man das einmal um auf die Gesamtnahrung inklusive der Feuchtigkeit, dann sind das bei einer Feuchtigkeit von 70 % auch ‘nur’ noch 8,2 %. Et voila: Der Fettgehalt einer Maus.

Katzen vertragen aber auch problemlos sehr hohe Fettgehalte wie bis zu 65% des Kalorienanteils, was immerhin ganze 46 % Fett in der Trockenmasse ausmachen kann, also 13,8 % bei unserer normal feuchten Nahrung mit 70% Feuchte. Nach oben hin scheint es keine Grenze zu geben. Das Fett dient der Katze als Energiequelle, weswegen Katzen, die gepäppelt werden müssen sinnvollerweise einen höheren Fettgehalt im Essen vorfinden sollten.

Allgemein lässt sich sagen, dass Fett gleichbedeutend mit Energie ist und dass der Grundumsatz  dem Aktivitätsgrad angepasst werden sollte. Ist dieser niedrig, weil die Katze älter und nicht mehr so aktiv ist, dann sollte das Fettverhältnis zu dem Kalorienumsatz passen. Das kann sich einerseits in einem etwas niedrigeren Fettgehalt niederschlagen, als auch einer geringeren Menge der Portion. Hat man z. B. eine Katze mit gestörtem Sättigungsgefühl, die also mengenmäßig viel im Napf vorfinden muss, ist es sinnvoller eine höhere Gesamtmenge an Futter bereitzustellen und dafür dann einen niedrigeren Fettgehalt. Die Standardkatze – Typ „gesund“ – wird also nicht durch viel Fett automatisch fett. Für die Standardkatze (4kg, normal aktiv, mittleres Alter, hat ein Zuhause) liegt der optimale Fettgehalt in der goldenen Mitte, also bei 10-15%. Man darf nicht vergessen, dass bei Streunerkatzen nicht nur für die Bewegung allein Energie benötigt wird (Streuner verbringen ca. 6 Stunden des Tages mit Beutetierfang) sondern auch für z.B. das Frieren bei Kälte und die Fortpflanzung. Der hohe Fettgehalt bei Streunerkatzen ist bei Einbeziehen aller Energie benötigenden Vorgänge wiederum nicht so erstaunlich. Dass das mit dem dick werden bei Billigfutter nicht am Fett liegt, dazu kommen wir dann im Beitrag über Kohlenhydrate.

Den Fettgehalt des Fleisches findet man bei guten Barf-Shops auf dem Etikett oder man nimmt Vergleichswerte wie z .B. in der Pahema Datenbank.

Eine Katze die bisher nur wenig Fett in der Nahrung vorgefunden hat sollte langsam an höhere Fettmengen herangeführt werden, idealerweise über mehrere Tage wie es zum Beispiel bei einer Futterumstellung geschieht.

Die Fettsäuren sollen wie wir oben gelernt haben aus einem ausgewogenen Verhältnis bestehen, die Qualität des Lachöls ist entscheidend. Und je mehr Omega-Fettsäuren verwendet werden, desto höher ist gleichzeitig der Bedarf an Vitamin E. Zusätzlich zum Vitamin E wird das Antioxidans Selen benötigt. (Auch Selen kann überdosiert werden.) Die Streunerkatze findet ein durchschnittliches Verhältnis von 2:1(n-6:n-3) in der natürlichen Beute vor. Dies ist in diesem Fall aber nicht übertragbar auf Hauskatzen. Für diese wird ein Verhältnis von 5:1 (n-6:n-3) als optimal angesehen, welches sich auch in verschiedenen Studien bestätigt hat, bei welcher verschiedene Verhältnisse bis hoch zu 125:1 zugefüttert und die jeweiligen Verbesserungen bei Krankheiten/Hautproblemen beobachtet wurden. Dass es auch ein zu viel an Omega 3 geben kann zeigt z.B. die folgende Studie. Bei dieser wurde festgestellt, dass bei Katzen, die einen 1,3:1 (n-6:n-3) Anteil in der Nahrung hatten, das Blut langsamer gerann als bei der Kontrollgruppe, die einen 5:1 Anteil hatte. Ebenso waren zahlreiche weitere Effekte zu beobachten, die als Auslöser für spätere Krankheiten gelten könnten.

Als Bedarfswerte rein für die beiden Omega-Fettsäuren DHA und EPA finden wir Werte zwischen 200 und 300 mg pro Katze und Tag für DHA und EPA kombiniert. Das kann je nach Qualität eine halbe Kapsel bis ein ganzer Teelöffel Lachsöl sein. Wenn das verwendete Tier jedoch wie eingangs erwähnt mit Pflanzenmaterial ernährt wurde, dann muss u. U. gar kein Lachsöl zugesetzt werden.

Für die AA finden wir Bedarfswerte von 3,7 mg für eine 5 kg schwere Katze pro Tag nach NRC. Da aber sowohl das Fleisch als auch die Öle und Fette eine ausreichende Menge an Arachidonsäure enthalten und eine Überdosierung laut Literatur nicht möglich ist – ist der Gehalt lediglich für das Omega 6:Omega 3 Verhältnis interessant. Auch die LA und ALA sind ausreichend vorhanden.

Die fettlöslichen Vitamine können überdosiert werden, weswegen dort sicherlich das Hauptaugenmerk drauf zu legen ist.

Wir finden folgende Mindest-Empfehlungen:
Vitamin A: 206 IU für eine 5 kg schwere Katze pro Tag nach NRC
Vitamin D: 17,3 IU für eine 5 kg schwere Katze pro Tag nach NRC
Vitamin E: 3,7 IU für eine 5 kg schwere Katze pro Tag nach NRC Genaue Werte sind schwer zu sagen, da der Bedarf von anderen Faktoren abhängig ist. Viel Vitamin A hemmt zum Beispiel die Aufnahme von Vitamin E. Viele Fettsäuren benötigen zusätzliches Vitamin E, so dass der tatsächliche Bedarf je nach Ernährungssituation stark schwanken kann.
Vitamin K: (62 µg für eine 5 kg schwere Katze pro Tag nach NRC) Bei einer Studie wurde gezielt versucht einen Mangel an Vitamin K in Katzen hervorzurufen, was aber nicht gelang, da Katzen dies selbst bilden können. Die Bedarfswerte für Vitamin K sind daher eher Schätzungen. Es ist jedoch bekannt, dass Vitamin K essenziell ist.
Selen: 18,6 µg für eine 5 kg schwere Katze pro Tag nach NRC

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